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Pierre de la Rue

Missa Ave Maria, Vespera

Capilla Flamenca, Psallentes

Musique en Wallonie MEW 0633
(67 Min., 12/2004, 1/2005) 1 CD

Pierre de la Rue (gest. 1518) ist in den letzten Jahren ins Blickfeld verschiedenster Alte-Musik-Ensembles gerückt; einige seiner insgesamt über 30 Messvertonungen etwa liegen mittlerweile in guten Aufnahmen vor. Zuletzt präsentierte die Leipziger Männerformation "Amarcord" die "Missa Incessament", eine Parodiemesse auf Basis einer eigenen Chanson de la Rues; nun legt die belgische "Capilla Flamenca" die "Missa Ave Maria" vor, deren motivisches Material auf einer gregorianischen Antiphon beruht. In beiden Aufnahmen wird die vokalpolyphone Musik sinnvoll und gewinnbringend durch Gregorianik ergänzt. Interpretatorisch gehen die beiden Ensembles de la Rues Musik allerdings sehr unterschiedlich an: "Amarcord" pflegt in der genannten Veröffentlichung ein sehr ebenmäßiges Klangbild bei eher objektiver, nüchterner Stimmgebung. Die Sänger der "Capilla Flamcenca" hingegen gestatten sich in leicht halliger Aufnahmelokalität die individuellere Ausgestaltung der einzelnen Partien des Satzes, wodurch zahlreiche dynamische "Bäuche" entstehen; auch reiner Schönklang ist, stärker als bei den jungen Herren von "Amarcord", durchaus ein Thema. Die Herangehensweisen sind überraschend verschieden, wenngleich beide möglich; die Struktur des Satzes lässt sich auf beide Arten transparent machen – und mit wie viel individueller Emphase die Sänger des 16. Jahrhunderts agiert haben, lässt sich heute leider nicht mehr rekonstruieren. Der Adaption so alter Musik haftet also nach wie vor – und das wird sich naturgemäß niemals ändern – auch etwas Experimentelles an, obwohl wir heute von den Spezialisten künstlerisch bzw. ästhetisch für sich genommen je absolut überzeugende Ergebnisse geliefert bekommen.

Michael Wersin, 05.05.2007



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