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Ernö Dohnányi

Suite für Orchester, Ruralia hungarica, American Rhapsody

Danubia Symphony Orchestra, Domonkos Héja

Warner 2564 62409-2
(70 Min., 2/2005) 1 CD

Dass Ernö Dohnányi im ungarischen Komponisten-Triumvirat der Wende zum 20. Jahrhundert, zu dem außerdem Kodály und Bartók gehörten, der stilistisch konservativste geblieben ist, hat seine posthume Popularität nicht gerade gefördert. Hinzu kommt, dass er aufgrund seines Engagements für das ungarische Musikleben zwischen den Weltkriegen und seiner Umsiedelung ins nationalsozialistische Österreich im Jahre 1944 später als Kriegsverbrecher gebrandmarkt wurde. Die Rehabilitation des stets nur kulturell, niemals aber politisch Tätigen gestaltete sich sehr zögerlich; 1949 wanderte er in die USA aus. Selbst seine 1908/09 entstandene "Suite für Orchester" op. 19 weist (im Gegensatz zu dem ihm oft vorgeworfenen Brahms- und Schumann-Epigonentum) schon eine ganz eigene Stilistik auf, zu deren allgemeineren Merkmalen u. a. folkloristische Motive, verarbeitet in einem romantischen Orchestersatz, gehören; auffällig sind darüber hinaus die äußerst differenzierte Instrumentationskunst und - besonders im Eingangssatz "Andante con Variazioni" - die Fähigkeit zu ganz unmittelbarer, sehr plastischer Umsetzung verschiedenster Stimmungen in einen opulenten Orchestersatz; hierbei kommt es, wenn auch nur selten, durchaus zu dissonanten Härten. Auf ungarischen Volksliedern basieren die 1924 komponierten "Ruralia Hungarica" op. 32b, ebenfalls ein Zeugnis für Dohnányis brillante Instrumentionskunst und zudem ein Beleg für seinen äußerst sorgfältigen, liebevollen Umgang mit Volksgut, das er zunächst vergleichsweise schlicht zu präsentieren und dann kreativ zu variieren versteht. Ebenfalls auf Volksliedern und Tänzen, allerdings amerikanischen, beruht die "American Rhapsody" op. 47, die 1954 in Athens/Ohio erstmals aufgeführt wurde. Der junge ungarische Dirigent Domonkos Héja (geb. 1974) und das von ihm gegründete Danubia Symphony Orchestra widmen sich der Musik Dohnányis mit beachtlichem Können und großer Hingabe; die Vielfalt der orchestralen Farben tritt ebenso prägnant zu Tage wie der Reichtum an origineller Melodik samt souveräner kontrapunktischer Verarbeitung. Nur selten kommt es in Tutti-Passagen zu kurzen Intonationsunreinheiten, verursacht vermutlich durch Holzbläser; im Hinblick auf den überzeugenden Gesamteindruck ist dieser kleine Mangel vernachlässigbar.

Michael Wersin, 04.02.2006



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