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Paul Dukas, Abel Decaux

Klaviersonate, Clairs de lune

Marc-André Hamelin

Hyperion/Codaex CDA67513
(64 Min., 8/2004, 12/2005) 1 CD

Nur eine sehr geringe Anzahl von Werken veröffentlichte Paul Dukas (1865-1935), und selbst davon ist nur ein Bruchteil heute präsent: Die sinfonische Dichtung "L’apprenti sorcier" ("Der Zauberlehrling") belegt sein Können als Orchesterkomponist, seine faszinierende Oper "Ariane et Barbe bleu", die John Eliot Gardiner letztes Jahr in Zürich dirigierte, erinnert nachdrücklich an seinen hohen Rang auf diesem Gebiet. Dukas’ Klavierwerk schließlich passt auf eine einzige CD: die vorliegende Sonate, außerdem ein Variationenzyklus über ein Thema von Rameau und zwei weitere Stücke. So knapp Dukas’ Beiträge zu den einzelnen Gattungen sind, so exemplarisch und innovativ sind sie doch auch: Im Falle der Klaviersonate handelt es sich um den Neuanfang dieser Gattung im Frankreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in einigen Aspekten anknüpfend an den klassischen Sonatentyp, insgesamt aber höchst eigenständig hinsichtlich Harmonik, Melodik und motivischen Verarbeitungstechniken. Marc-André Hamelin, der couragierte Entdecker und Apologet vergessenen Klavierrepertoires, widmet sich der Sonate mit der gewohnten Akkuratesse bis ins kleinste Detail, gepaart mit stupender technischer Souveränität, die nicht nur als Geschwindigkeit und Brillanz zu Tage tritt, sondern besonders auch als klangliche sowie als strukturelle Qualität: Man bemerkt allenthalben, dass Hamelin auch im größten Getümmel jede einzelne Stimme des Satzes konsequent zu Ende denkt und gestaltet. Dieses Vorgehen veredelt auch die vier Stücke des Klavier-Zyklus "Clairs de lune" von Abel Decaux (1869-1943), die ebenfalls auf dieser CD enthalten sind. Decaux, u. a. Organist der Pariser Kirche Sacre Coeur, hinterließ noch viel weniger Musik als Dukas; hinter dem eigenwilligen akustischen Erscheinungsbild seiner Musik verbergen sich hochinteressante Experimente mit neuen Kompositionstechniken, die eine gewisse Verwandtschaft mit Schönbergs Ideen haben. Musikalische, musiktheoretische und musikhistorische Reize stehen also, typisch für Hamelins Programme, auch auf dieser CD in einem idealen Verhältnis zueinander. Hat er eigentlich überhaupt schon einmal eine mittelmäßige CD gemacht? Der Rezensent kann sich an keine erinnern.

Michael Wersin, 03.11.2006



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