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Henri Duparc

Die Lieder

Mireille Delunsch, Vincent le Texier, François Kerdoncuff

Timpani/Note 1 1C1053
(64 Min., 10/1999) 1 CD

Die siebzehn überlieferten Liedkompositionen von Henri Duparc (1848-1933) zählen zu den wertvollsten Perlen innerhalb der Gattung der französischen "Mélodie". Wann immer einige von ihnen im Programm eines Lied-Rezitals auftauchen, versprechen sie dem Hörer zauberhafte und bewegende Momente ausdrucksstärkster musikalischer Poesie.
Gleichzeitig sind sie in ihrem oft melancholischen, schwermütigen Tonfall untrennbar verbunden mit dem traurigen Schicksal ihres Schöpfers: Duparc, in jungen Jahren einer der großen Hoffnungsträger des französischen Musiklebens, verlor durch eine rätselhafte Gemütskrankheit, die ihn nicht lange nach seinem dreißigsten Geburtstag befiel, nach und nach seine Schaffenskraft. In zunehmender Verzweiflung vernichtete er einen großen Teil seiner Kompositionen. Seine meisterhaften, atmosphärisch dichten Klavierlieder haben dadurch Vermächtnischarakter.
Die Stücke sind für jeden Liedsänger ein Prüfstein, und so mangelt es auch nicht an gelungenen Aufnahmen: Allen voran sei die legendäre, 1933-35 entstandene Einspielung von Charles Panzéra mit seiner Frau am Klavier genannt; hervorragend sind auch die Livemitschnitte einiger der Lieder mit Nicolai Gedda und Leopold Simoneau. Nicht ganz einfach ist es daher, im Rahmen einer Gesamtaufnahme aller siebzehn "Mélodies" zu gültigen Interpretationen zu gelangen - ein Unterfangen, das den Künstlern dieser CD auch nur teilweise glückte.
Die Sopranistin Mireille Delunsch, die den größten Teil der Lieder bestreitet, verfügt über eine schöne, modulationsfähige Stimme, deren Fähigkeit zu kraftvollen Ausbrüchen in "Phydilé" oder "La vie antérieure" ausgesprochen vorteilhaft und überzeugend zum Einsatz kommt. Im Piano neigt sie zu einer Festigkeit der Zunge sowie zu gelegentlichen Intonationstrübungen, was den Genuss stellenweise einschränkt - bei grundsätzlich sehr ansprechendem, differenziertem Vortrag, wohlgemerkt. Problematisch hingegen ist der Gesang des Baritons Vincent le Texier, der seine große, etwas raue Stimme so sehr abgedunkelt und vordersitzlos führt, das er Vibrato, Intonation und vor allem die Feinheiten der Textgestaltung oft nicht besonders gut unter Kontrolle hat.
Der Pianist François Kerdoncuff begleitet brillant und technisch sicher. Durch differenzierte Gewichtung des Stimmengeflechts entlockt Kerdoncuff der Klavierstimme viele interessante Nuancen. Lediglich agogisch neigt er zur Gleichförmigkeit, wodurch einige solistische Passagen des Klaviers ein wenig spannungslos geraten.

Michael Wersin, 26.10.2000



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