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Manuel de Falla

Die Klavierlieder

Montserrat Torruella, Manuel García Morante

La mà de guido/Note 1 LMG 2037
(51 Min., 10/1999) 1 CD

Im Vergleich mit dem entsprechenden französischen oder englischen Repertoire haben sich spanische Klavierlieder bislang am wenigsten im deutschen Konzertleben durchgesetzt. Möglicherweise ist die sprachliche und vor allem die stilistische Barriere ein Grund dafür: Die oftmals dem Gitarrenspiel nachempfundene Klavierbegleitung, die charakteristischen "phrygischen" Wendungen und die teilweise verzierten melodischen Floskeln klingen an Volksmusik und Flamenco an und verleihen vielen der spanischen "Kunstlieder" ein Lokalkolorit, das den muttersprachlichen Interpreten fordert.
Manuel de Falla gehört sicher zu den populärsten spanischen Liedkomponisten, obwohl sein Werk für Gesang und Klavier überraschend klein ist: Die sechzehn Stücke füllen kaum eine CD. Unter ihnen haben die "Sieben spanischen Volkslieder", entstanden 1914-15, die größte Breitenwirkung erzielt: De Falla adaptierte "echte" Volkslieder, um sie auf raffinierte Weise mit teilweise sehr sparsamen Mitteln zu eindrucksvollen kleinen Kunstwerken zu gestalten. Ausgesprochen hörenswert sind auch die anderen Gesänge dieser CD, die, in unterschiedlichen Schaffensphasen de Fallas entstanden, mitunter den Einfluss anderer Stile deutlich erkennen lassen. Besonders interessant sind die in Paris entstandenen "Drei Chansons" nach Gedichten von Théophile Gautier: Hier ist das Debussys Vorbild nicht zu überhören.
Eine flexible, leicht ansprechende Stimme, gepaart mit viel Temperament und Gestaltungskraft sind Eigenschaften, die für die Interpretation der Lieder de Fallas von Vorteil sind: So kennt man diese Stücke vor allem von der hinreißenden Victoria de los Angeles. Montserrat Toruella, die sehr dunkel timbrierte Sopranistin dieser CD, verfügt über beides nicht gerade im Übermaß. Da sie ihre Stimme recht breit und nicht sehr zentriert führt, verrutschen ihr viele der kleinen pralltriller-artigen Wendungen, und außerdem vermisse ich oft den wirklich gestaltenden Zugriff auf die teilweise außerordentlich expressiven Stücke. Auch der Pianist Manuel García Morante entlockt den teils sperrigen, teils schlichten Klaviersätzen nicht immer ein Höchstmaß an Scharm. Dass dies möglich ist, bewies der großartige Gerald Moore als Begleiter von Victoria de los Angeles. Kurzum: Die CD ist als Gesamtaufnahme der Lieder de Fallas zum Kennenlernen sehr hilfreich, ein interpretatorischer Höhenflug ist sie aber nicht.

Michael Wersin, 02.11.2000



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