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Ludwig van Beethoven, Richard Wagner

Siegfried-Idyll u.a., Sinfonie Nr. 9

Boston Symphony Orchestra, div. Gesangssolisten und Chorvereinigungen, Erich Leinsdorf

VAI/Codaex 4361
(107 Min., 10/1965, 12/1965) Mono, Format 4:3, Region Code 0

Erich Leinsdorf, eine Dirigentenlegende des 20. Jahrhunderts: Geboren 1912 in Wien, Ende der 30er Jahre nach Amerika ausgewandert, dort u. a. an der Met, an der New York City Opera und, von 1962 - 69 als Music Director, beim Boston Symphony Orchestra wirksam; in späteren Jahren auch wieder als Gastdirigent bei deutschen Orchestern tätig, u. a. beim Südwestfunk Baden-Baden (s. DVD-Besprechung "Leinsdorf in Rehearsal"); gestorben 1993 in Zürich. Sein Dirigierstil ist, bei dieser Live-Produktion von 1965 weit mehr noch als im Alter, üppig, eloquent und ausladend, fast gymnastisch. Sein Gesichtsausdruck, sein gesamter Habitus spiegelt wie ein offenes Buch jede Regung der Musik wieder. Er gibt klare, unmissverständliche Anweisungen, er hat das Geschehen vollkommen im Griff: Hier kommen die Einsätze garantiert niemals vom Konzertmeister. So ungewohnt diese beinahe tänzerische Darbietung in all ihrer bezwingenden Eleganz auch ist - man wird beim Zusehen ein Freund dieses sehr expliziten Dirigierstils, bei dem die Musiker darauf getrimmt sind, auf den Schlag und nicht nach dem Schlag zu spielen, bei dem der Dirigent nicht nur interpretiert, sondern gleichzeitig auch organisiert. Überzeugend ist auch das Ergebnis: Mit staunenswerter Präzision agiert das Orchester, das Klangbild ist tiefenscharf und rund, dabei niemals zu opulent; die einzelnen Register zeichnen sich sowohl für sich genommen als auch in den verschiedenen Abstufungen ihres Zusammenklingens durch klare, prägnante Farben aus. Kurzum: Hier war ein Orchestererzieher am Werk, der es zu einer hohen Kommunikationskultur mit seinen Musikern gebracht hat, der sich in seinen Ausdrucksintentionen einig war mit seinem Ensemble. Ob Wagners orchestrale Ring-Exzerpte oder Beethovens "Neunte": Diese Aufnahmen machen viel Freude und vermitteln umfassendes Erleben dirigentischer Sternstunden vergangener Tage.

Michael Wersin, 11.08.2006



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