Responsive image
Ivan Fidele

Streichquartette Nr. 1 - 3, Electra Glide u.a.

Arditti Quartet

Stradivarius/harmonia mundi 33702
(65 Min., 12/2003) 1 CD

Beklemmende Enge und Dunkelheit, ausgekleidet mit polychromer Spröde und mit stets überraschend auftauchenden Falltüren - das sind nur einige Zugangsdaten zu den Kammermusik-Werken des Italieners Ivan Fidele. Hinzu kommen Tonspiralen, die auf dem Griffbrett einen Schleuderkurs mitmachen. Oder in sich wild kreisende Stimmen, zersplitternde Virtuosität sowie Skalen, die sich nahezu trunken in höchste Flageolett-Höhen vorwagen. Und plötzlich taucht im 1. Streichquartett "Per accordar" (1981-89) so schnell ein Blues-Albtraum auf, wie er wieder verschwindet. In das dritte Quartett "Târ" (1999/2000) scheinen sich hingegen asiatische Folklore-Muster hineindrängen zu wollen. Los ist also immer etwas in Fideles Kompositionen für Streichquartett, für Solo-Violine und für ein Streichduo. Und wie könnte es anders sein: Das Arditti Quartet erweist sich einmal mehr als ein aus dem Stand traumwandlerisch sicheres, sämtliche Klippen mit aller Souveränität und Erfahrung meisterndes Spezialistenensemble de luxe.
Genau diese interpretatorische Beweglichkeit und Könnerschaft scheint denn auch Komponisten ausreizen zu wollen. Was der junge deutsche Komponist Philippe Maintz bei seinem ersten Streichquartett einmal augenzwinkernd anmerkte, dass er die Ardittis mal richtig ins Schwitzen bringen wollte, ließe sich unter anderen Vorzeichen bisweilen bei Fidele vermuten. So immens seine Sound-Erfindungen sind, so wirken die unablässigen Extremherausforderungen in den Tremoli, Glissandi und sonstigen, übereinander herfallenden Kontrasten oftmals erstaunlich routiniert. Fideles elementare Wesens-Welten sind bei aller Anstrengung zwar nicht harmlos. Aber sie bleiben doch eher auf der sicheren Seite.

Guido Fischer, 18.06.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top