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Paul le Flem

Quintett, Sonate für Violine und Klavier

Alain Jacquon, Quatuor Louvigny, Philippe Koch

Timpani/Note 1 1C1077
(66 Min., 11/2003, 1/2004) 1 CD

Die sämige Süße eines gehaltvollen heißen Schokoladengetränks, die mancher für Synästhesie empfängliche Hörer vielleicht mit der spätromantischen Klangwelt der Kammermusik Faurés verbinden mag, erhält in der Musik des 36 Jahre älteren Bretonen Paul le Flem bei grundsätzlich ähnliches Rahmenbedingungen eine herbe Mokka-Einfärbung. Le Flem, der die traditionelle Bindung seines Komponierens mit all seiner harmonischen Opulenz und überschäumenden melodischen Eloquenz nicht zu Gunsten einer andernorts im 20. Jahrhundert als zeitgemäß empfundenen Brechung solcher überkommenen Stilmittel aufgeben mochte, experimentiert stattdessen zusätzlich kreativ und originell mit Modalität und Pentatonik, die sicher durch die Folklore seiner bretonischen Heimat beeinflusst ist. Wenige thematische Gedanken genügen ihm zur Ausgestaltung umfangreicher Sätze; variierend entwickelt er die horizontalen Linien weiter und leuchtet sie in immer neuen harmonischen Farben aus. Die pentatonische Struktur der Kantilenen und eine Neigung zu (sicher auch vom musikalischen Impressionismus inspirierten) harmonischen Schweif-Bewegungen auf Quint- oder Quartparallelenbasis verleiht seiner Musik dabei immer wieder jene etwas verfremdende herbe Würze, von der eingangs die Rede war. Ohne Zweifel lohnt es sich, diese wenig bekannten musikalischen Landschaften, wie sie sich in dem auf dieser CD vorgestellten Klavierquintett und der Violinsonate präsentieren, auf sich wirken zu lassen. Das Quatuor Louvigny und der Pianist Alain Jacquon machen dies durch souveränes Spiel und in jedem Moment hörbare tiefe Verbundenheit mit le Flems Musik zum ungetrübten Erlebnis: Eine Kammermusik-Neuerscheinung, die man sich nicht entgehen lassen sollte!

Michael Wersin, 22.12.2004



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