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Robert Fuchs

The Piano Quartets op. 15 & 75

Oliver Triendl, Adorján Trio

Thorofon/Klassik Center Kassel CTH 2454
(68 Min., 7/2000) 1 CD

Wer war Robert Fuchs? Seine Lebensdaten und einige Eckpunkte seiner Biografie wären schnell genannt; meistens tritt er im Zusammenhang mit den Lebensläufen berühmterer Zeitgenossen - beispielsweise Johannes Brahms - punktuell in Erscheinung, um sich dann schnell wieder im Dunkel der Musiklexika zu verlieren. Seine Musik - auf dieser CD repräsentiert durch zwei Klavierquartette - hat jenen edlen, schwärmerischen Tonfall des so genannten "spätromantischen" Repertoires, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und auch darüber hinaus in großen Mengen entstanden ist; Karl Weigl oder auch Joseph Rheinberger sind andere Meister jener Zeit, die ähnlich komponiert haben.
Betrachtet man die Musik von Robert Fuchs im Schatten des Genies Johannes Brahms, so mag man im Vergleich bei ersterem die zweifellos geringere Originalität und die nicht so kühl kalkulierte bzw. raffiniert durchstrukturierte Verarbeitung des motivischen Materials bemängeln. Hört man die Musik von Fuchs jedoch für sich genommen, so begeistert sie augenblicklich und nachhaltig auf Grund ihrer Eleganz, ihrer handwerklich souveränen Faktur und ihrer perfekten Balance auf allen Ebenen. Es ist daher dankenswert, dass Oliver Triendl und das Adorján Trio sich der beiden Klavierquartette Fuchs' angenommen haben, von denen der CD-Katalog bisher keine Aufnahme verzeichnete. Sie tun dies, ganz im Geiste des Tonfalls der Werke, mit warmer und sensibler Tongebung sowie mit jenem adäquaten Maß an romantischem Pathos, das diese Musik in ihrem Spannungsfeld zwischen unterhaltender Spielfreudigkeit und melancholischer Zurückhaltung optimal zum Erblühen bringt.
Und wer war nun Robert Fuchs? Zu erwähnen ist neben seinem Komponieren vor allem die Lehrtätigkeit am Wiener Konservatorium, wo u. a. Zemlinsky, Wolf, Mahler und Schreker seinen kompetenten Unterricht genossen. Seinen künstlerischen Idealen gemäß, gehörte er zum Umfeld von Johannes Brahms, den er um dreißig Jahre überlebte; da die Musik in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts andere Wege nahm als die seinen, war sein Lebensabend - er starb 1927 im Alter von 80 Jahren - von zunehmender Vereinsamung geprägt.

Michael Wersin, 02.03.2003



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