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José de Nebra

Miserere, Ausschnitte aus "Iphigenia in Tracia"

Al Ayre Español, Eduardo López Banzo

DHM/BMG 05472 77532 2
(57 Min., 8/2000, 9/2000, 11/2000) 1 CD

Konzertante Vertonungen geistlicher Texte entstanden im Barockzeitalter seit der Etablierung dieser einst revolutionären Stilistik in großer Menge, und auch Vertonungen des Psalms 51 "Miserere mei, Deus" sind darunter keine Seltenheit. Stilistische Feinheiten, die in dieser von Italien ausgehenden Tradition im Zusammentreffen mit den jeweiligen lokalen musikalischen Idiomen entstanden sind, kann nur der Spezialist wirklich würdigen. Kein Zweifel kann jedoch daran bestehen, dass es sich bei José de Nebras (1702-1768) Vertonung des "Miserere" um eine besonders schöne und ausdrucksstarke Version handelt: Wie üblich, erklingt jeder zweite Vers choraliter, vorgetragen von einer Männerschola.
Ein reichhaltiges Eigenleben entwickeln die ganz eigenständigen, auch bezüglich ihrer Tonarten ganz unterschiedlichen konzertant gesetzten Verse für Streicher (hier solistisch besetzt) zuzüglich einer Sopran- und einer Mezzosopransolistin, die mal einzeln, mal im Duett in lebendiger und ausdrucksstarker Weise die biblischen Texte veranschaulichen. Marta Almajano und Xenia Meijer sind der umfangreichen sängerischen Aufgabe sehr gut gewachsen, wobei Marta Almajano durch noch größere stimmliche Flexibilität, Schmiegsamkeit und Präsenz überzeugt.
Textreiche, eher deklamatorische Passagen wechseln sich in den Gesangspartien des "Miserere" mit melismatischen Strecken ab, während derer die Stimmen, wie von Begeisterung übermannt, ihrem Ausdruckswillen freien Lauf lassen können. Die enge motivische Verflechtung von Vokal- und Instrumentalpartien bringt das gesamte musikalische Geschehen im wahrsten Sinne des Wortes zum Sprechen, wie es in der barocken Kompositionsweise angestrebt ist; das gelingt besonders dann, wenn die Streicher sich so sensibel und und beredt mit den Sängerinnen "unterhalten" wie hier.

Michael Wersin, 06.12.2001



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