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Michail Nosyrew

Violinkonzert, Cellokonzert

Michail Gantwarg, Sergei Slowatschewsky, Orchester der Mussorgsky-Oper St. Petersburg, Andrei Anichanow

Olympia/Note 1 OCD 691
(64 Min., 10/2000) 1 CD

Anfang der siebziger Jahre, als Krysztof Penderecki schon seine Cluster ausgingen, schrieb der Russe Michail Nosyrew moderne Musik von ungebrochener Frische und Innovationkraft: Seine Konzerte für Violine und Orchester (1971) sowie Cello und Orchester (1973) sind faszinierende Belege für die Schöpferkraft eines Mannes, dessen Biografie ebenso erschreckende und bedrückende Abschnitte enthält wie seine Kompositionen.
Der 1924 geborene Nosyrew war Student am Leningrader Konservatorium, als er 1943 von der Geheimpolizei mitten aus einer Operetten-Aufführung geholt wurde. Es folgten Todesurteile gegen ihn und seine Eltern, die später in zehn Jahre Lagerhaft in Sibirien umgewandelt wurden. Danach entwickelte er sich zwar rasch zu einem erfolgreichen Komponisten, aber sein früher Tod im Jahre 1981 und die Schatten der Vergangenheit verhinderten, dass ihm größere Popularität über die Grenzen der Sowjetunion hinaus zuteil wurden. Die alte "MGG" schweigt über ihn ebenso wie Ulrich Dibelius in seinem Standardwerk "Moderne Musik nach 1945", und auch in Schostakowitschs autobiografischen Äußerungen ist nichts über ihn zu finden.
Nosyrews Musik gibt die tonale Bindung auch in freieren Passagen nicht ganz auf; er spielt mit stark dissonant angereicherten Akkorden und ganztönigen Skalen, auf struktureller Ebene mit Ostinati und kontrapunktischen Techniken. Die beiden Konzerte sind voll von leidenschaftlichem Ausdruck; düstere Verzweiflung und harsches Aufbegehren stehen auf der einen Seite, aber auch skurrile und scherzo-artige Passagen finden sich.
Solisten und Orchester dieser Aufnahme brillieren mit exzellenter Qualität. Michail Gantwarg, der Soloviolinist, hat das Violinkonzert selbst uraufgeführt. Die CD kann ohne Einschränkung empfohlen werden.

Michael Wersin, 06.09.2001



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