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Frank Martin, Olivier Messiaen

Messe, Songs Of Ariel, Cinq rechants, O sacrum convivium

RIAS Kammerchor, Daniel Reuss

harmonia mundi HMC 901834
(66 Min., 6/2003, 11/2003) 1 CD

Schon lange steht der RIAS-Kammerchor für A-Cappella-Chorkunst auf hohem Niveau. Marcus Creed hat während seiner Zeit als Chefdirigent des Ensembles dessen Qualität weiter gesteigert und gefestigt; sein Nachfolger Daniel Reuss, der sein Amt im vergangenen Jahr antrat, empfiehlt sich mit dieser CD aufs Entschiedenste als würdiger Nachfolger: Intonationsreinheit, Klangschönheit und Präzision bewegen sich in der vorliegenden Aufnahme auf einer Höhe, die auch - bzw. gerade - von Berufschören nur selten erreicht wird. Im RIAS-Kammerchor scheinen insofern alle Sänger an einem Strang zu ziehen, als sie die persönliche stimmliche Entwicklung über große Zeiträume hinweg mit den Anforderungen des Gesamtklang in Einklang zu bringen bereit bzw. in der Lage sind und sich dabei der formenden Hand des Chorleiters weitestmöglich unterordnen. Das sollte für ein Profi-Ensemble selbstverständlich sein, scheitert in der Realität aber immer wieder an individuellen Befindlichkeiten oder sachlichen Differenzen der Beteiligten.
Frank Martins "Messe pour double Choeur a cappella" lebt von den ineinanderfließenden Gegensätzen pseudo-gregorianischer Einstimmigkeit und weiträumiger, meist homophoner Klangschichtung; im "Agnus Die" vereinen sich beide Elemente zu einem Conductus-artigen Geschehen von bezwingender Ausdrucksstärke und Ernsthaftigkeit. Neben aller interpretatorischen Perfektion, die der RIAS-Kammerchor ohnehin bereitzustellen vermag, begegnet er der Musik Martins vom ersten Augenblick an mit - man verzeihe das altertümliche Wort - mitreißender Inbrunst, welche sich dann in den ganz anders gearteten "Songs Of Ariel" desselben Komponisten zu einer entsprechend "säkulareren" Ausdrucksintensität wandelt, die der konzeptionellen Durchsichtigkeit und Flüchtigkeit dieser Gesänge des Luftgeistes nicht im Wege steht.
Meisterlich gelingen dem Ensemble auch Olivier Messiaens höchst komplexe "Cinq Rechants": Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Ansprüche, die schon die beiden vorausgegangenen Stücke an die Chorkultur stellten, demonstriert der Chor in den "Cinq Rechants", die immer wieder auch solistische Leistungen fordern, nochmals eine beträchtliche Erweiterung seiner Ausdrucksmöglichkeiten. Kein Zweifel: Für jeden, der schwierigste Chorliteratur zu seinen Interessensgebieten zählt, ist der RIAS-Kammerchor mit seinem derzeitigen Können eine erste Adresse.

Michael Wersin, 24.07.2004



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