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Bohuslav Martinů

Etüden u. Polkas, Schmetterlinge und Paradiesvögel, Sieben tschechische Tänze

Paul Kaspar

Tudor/Naxos 7125
(57 Min., 3/2003 - 12/2003) 1 CD

Der gebürtige Böhme Bohuslav Martinu war ein musikalisch Weitreisender. Heimatliche Folklore und großstädtische Trends wie Jazz haben genauso in seinen Klavierwerken ihre Spuren hinterlassen, wie allerfeinstes impressionistisches Kolorit und kraftvoll zupackende Motorik. Damit war Martinu am Puls der Zeit, nachdem er sich in Paris und nach seinen Studien bei Albert Roussel ins pralle Leben geworfen hatte, um sich auch an der Komponistengruppe "Les Six" nicht satt zu hören. Reichlich neo-klassizistisches Rückgrat besitzen denn gerade die drei Hefte mit Etüden und Polkas, die Martinu 1945 im amerikanischen Exil komponierte. Und obwohl diese Miniaturen wie die beiden anderen, in den 1920er und 1930er Jahren entstandenen Werkzyklen wie aus dem Ärmel geschüttelt daherkommen, wird auch diese Unbekümmertheit bei Paul Kaspar zur mitreißenden Trumpfkarte.
Schon bei der ersten Aufnahme-Folge der Klavierwerke Martinus hat Kaspar unter Beweis gestellt, dass sich der enzyklopädische Umgang mit Repertoire-Raritäten nur lohnt, wenn Effekt und Ernsthaftigkeit sich so sinnfällig die Waage halten wie jetzt. Natürlich sind gerade die drei "Schmetterlinge und Paradiesvögel" eine unüberhörbare Hommage an Claude Debussy. Doch wie Kaspar diese Stimmungsbilder schwelgend mit breiter Brust inszeniert und dazwischen geheimnisvolle Hell-Dunkel-Kontraste aufblühen lässt, gehört zu den Ereignissen dieser Einspielung. Und während die "Tschechischen Tänze" mit spitzen (Tasten-)Schuhen und flirrendem Charme in Stellung gebracht werden, entlockt Kaspar den "Etüden u. Polkas" schon mal eine rhythmische Schärfe und stürmische Rasanz, die eine erstaunliche Geistesverwandtschaft zwischen Beethoven und Bartók aufdeckt!

Guido Fischer, 12.03.2005



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