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Carlo Gesualdo

Madrigali Libro I

The Kassiopeia Quintet

Globe/Note 1 GLO 5221
(44 Min.) 1 CD

Nachdem Don Carlo Gesualdo im Jahre 1590 seine erste Frau Maria mit ihrem Geliebten im Bett erwischt und unverzüglich eigenhändig umgebracht hatte, verfinsterte sich sein Sinn, und er lotete fürderhin die Harmonik seiner Zeit bis an ihre entlegensten Grenzen (und auch darüber hinaus) aus, so wie die Nachwelt dies an seinen faszinierend abgründigen Karwochen-Responsorien bewundern kann. - So könnte es gewesen sein, aber so war es tatsächlich wohl nicht. Als das für diese CD aufgenommene erste Madrigalbuch Gesualdos im Jahre 1594 erschien, war Frau Gesualdo schon vier Jahre tot, aber die hier versammelten Stücke enthalten neben strahlend schönen, lichtvollen Passagen lediglich die üblichen Madrigalismen im Zusammenhang mit entsprechenden Schlüsselbegriffen wie "morire" oder "dolor", kleine harmonische und stimmführungstechnische Wagnisse also, die den aus der geistlichen Musik tradierten streng regulierten Satz würzen und bereichern. Keine Spur jedoch von der exzessiven Chromatik, den aberwitzigen Akkordverbindungen und Querständen der Responsorien von 1611: Sie treten erst in den späten Madrigalen auf, die Gesualdo wie die Responsorien in seinen letzen Lebensjahren verfasste.
Dieser Umstand enttäuscht vielleicht ein wenig die Erwartung an die vorliegende CD, schmälert aber nicht die Schönheit der enthaltenen Musik, die Gesualdo einmal als einen der großen Meister seines Fachs präsentiert. Problematisch allerdings ist die Qualität der Interpretation durch das Kassiopeia Quintet: Erfreuen die sechs Sänger einerseits durch eine sehr unmittelbare Herangehensweise, die ein im positiven Sinne aufgerauteres und individuelleres, etwas weniger steriles Klangbild als bei vielen der englischen Ensembles bedingt, so gerät doch die Intonation immer wieder beträchtlich ins Wanken. So mancher verrissene Ton, der die Harmonie vorübergehend trübt, und so mancher klirrende Akkord hätte unbedingt korrigiert werden müssen. Warum hat man sich dafür nicht die Zeit genommen.

Michael Wersin, 17.07.2004



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