Responsive image
Orlando Gibbons

With A Merrie Noyse

Choir of Magdalen College Oxford, Bill Ives, Rogers Covey-Crump, Peter Harvey u.a., Fretwork

harmonia mundi HMU 907337
(59 Min., 7/2003) 1 CD

Anthems, Hymnen, Orgelstücke und Vertonungen der Cantica des anglikanischen Stundengebets aus der Feder von Orlando Gibbons (1583-1625) verbergen sich hinter dem stimmungsvollen Titel dieser CD. Liturgische Musik nimmt im nicht allzu umfangreichen Werkkatalog Gibbons’, der nach seiner Chorknaben- und Studienzeit in Cambridge zeitlebens Mitglied der königlichen Hofkapelle (Chapel Royal) war, bedeutenden Raum ein. Sein "Second Service", eine fünfstimmige Vertonung der vier Cantica des Morgen- und Abendgebets (Te Deum, Jubilate, Magnificat und Nunc dimittis) in englischer Sprache, steht im Zentrum dieser CD. Auf Grund der originalen Partitur-Notation der Instrumentalstimmen entschied man sich für eine Begleitung der Stücke mit Gambenconsort (statt Orgel-Generalbass), auch wenn diese zweifellos sehr stimmungsvolle Interpretationspraxis für den Kirchenraum nicht positiv nachweisbar ist.
Der weiche, leicht schnarrende Klang der Gamben (meisterhaft gespielt vom Ensemble Fretwork) bestimmt auch über die genannten Werke hinaus weite Teile des Repertoires dieser CD; hinzu kommt typisch englischer Knabenchorklang, der sich durch seine ätherische Leichtigkeit und helle Färbung wohltuend vom Timbre so manchen festländischen Knabenchores unterscheidet - wenn auch der Choir of Magdelen College (Oxford) trotz sehr soliden Niveaus sicher nicht zu den allerbesten englischen Ensembles dieser Art gehört: Zwar einigermaßen intonationsrein, aber oft ein wenig unspezifisch und blass ist sein Gesamtklang. Dies gilt weniger für die hervorragenden Knabensolisten, die bisweilen zusammen mit großen Kollegen wie Rogers Covey-Crump und Peter Harvey zum Einsatz kommen. Insgesamt eine Aufnahme, die man angesichts ihres herrlichen Repertoires und ihrer vielen wunderschönen Momente gern noch lieber mögen möchte, als es der Gesamteindruck letztendlich zulässt.

Michael Wersin, 10.07.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top