Am 20. September 1792 ging es der preußischen Armee an den Kragen, als die französische Revolutionsarmee bei der "Kanonade von Valmy" gegen die Koalitionstruppen und damit über das monarchistische Auslaufmodell zunächst einen weiteren Sieg errang. Selbst Goethe soll das auf Anhieb erkannt haben, der den Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach auf dem Feldzug begleitete und danach ein prophetisches Wort sprach: "Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen." Solche historischen Ereignisse waren natürlich auch Wasser auf die Mühlen von François-Joseph Gossec (1734-1829), der seine produktive Bestimmung in der musikalischen Flankierung der Französischen Revolution sah. Und dafür war ihm kein patriotischer Ton zu pathetisch, wie er es schon 1792 mit seiner Marseillaise-Kantate "L´Offrande à la Liberté" (Das Freiheitsopfer) unter Beweis gestellt hatte. Ein Jahr später, am 27. Januar 1793, kam er an der Pariser Oper sodann mit seinem Einakter "Le Triomphe de la République" heraus, der den Ausgang der Schlacht bei Valmy mit Pauken-, Trompeten- und großem Chortamtam feiert.
Und schon die imposant aufgestellte Ouvertüre ist so ein richtiger Gradmesser für die mal euphorische, mal kämpferische Stimmung, wie sie im nahe gelegenen Dörfchen Grand Pré geherrscht haben mag, wo Revolutionsarmisten nicht nur neue Taktiken schmiedeten, sondern sich von der örtlichen Bevölkerung auf die Schulter klopfen ließen. Von dem Dorfsänger Thomas etwa, seiner Freundin Laurette sowie von lokalen Granden, die sich allesamt um den Baum der Freiheit versammelten. Was Gossec ihnen in die Kehlen komponiert hat, spiegelt dabei natürlich weniger ein Feuer der Einfallskraft wider als vielmehr den Versuch, den Heroismus mit einer leicht verständlichen und eingängigen Klangsprache zu fassen. Und um gleich noch den weltweiten Siegeszug der Revolution zu untermauern, stellte Gossec ans Ende noch einen Reigen stilisierter Volkstänze und sogar eine "Air pour les Africaines". Dass diese Ode an die Liberté aber eben keine leere Repräsentationsmusik ist, macht nun die Einspielung dank Dirigent Diego Fasolis überdeutlich. Mit dem in der historischen Aufführungspraxis bestens bewanderten Ensemble I Barocchisti und einem nie ins Gefühlige abgleitenden Sängerteam macht Fasolis aus "Le Triomphe de la République" ein herrlich offensives und effektvolles Hörvergnügen - dessen Spielzeit wie im Nu vergeht.

Guido Fischer, 01.12.1999



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