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Krystof Harant, Jacobus Gallus

Missa quinins vocibus, Missa super Elisabethea impletum est tempus

Prague Madrigal Singers, Musica Antiqua Vienna, René Clemencic

Supraphon/Codaex Sup 3716-2 211
(65 Min., 1966 - 1971) 1 CD

Musik des wenig bekannten Slowenen Jacobus Gallus (1550-1591) erklingt auf dieser CD zusammen mit Musik des noch weniger bekannten Böhmen Krystof Harant (1564-1621). Die hier versammelten Aufnahmen, entstanden von 1966 bis 1971, genügen allesamt nicht mehr den Ansprüchen, die der Hörer heute an die Wiedergabe Alter Musik stellt. Sie sind aber in zweierlei Hinsicht dennoch von Interesse: Erstens sind fast alle hier vorgestellten Werke einzig in dieser Einspielung erhältlich; zweitens stellen die Aufnahmen interessante Dokumente innerhalb der Geschichte der Aufführungspraxis Alter Musik dar.
Lediglich Gallus’ "Harmoniae Morales", Vokalstücke für verschiedene Besetzungen auf antike lateinische Sprichworte und Sentenzen, wurden mittlerweile in repräsentativerer Form vorgelegt, und zwar vom Ensemble Singer pur (Freiburger Musikforum). Die hier versammelten Auszüge aus dieser umfangreichen Sammlung produzierte René Clemencic im Jahre 1971 mit seiner Musica Antiqua Vienna. Im Gegensatz zu Singer pur zieht Clemencic gelegentlich Rhythmus- und Melodieinstrumente hinzu, eine Praxis, für die es wahrscheinlich keine exakten und aussagekräftigen Belege gibt; allerdings weist diese Art der Aufführung in eine Richtung der zweifelhaften Popularisierung Alter Musik, die seither viele Nachahmer gefunden hat. Überraschend ist aber vor allem, dass auch Clemencics Ensemble damals noch massiv mit Intonationsproblemen zu kämpfen hatte.
Intonationstrübungen und eine für den heutigen Geschmack allzu vibratoreiche Singweise mindern auch den Genuss der Messkompositionen Harants und Gallus’, obwohl die Prager Madrigalsänger 1966/67 schon über bemerkenswerte Qualitäten in Richtung eines homogenen, stringenten und objektiven Ensembleklangs verfügten. Während also für die "Harmoniae morales" ausdrücklich auf die genannte jüngere Aufnahme verwiesen werden muss, bietet die vorliegende CD bezüglich der anderen Werke (zu den beiden Messen kommen noch zwei Motetten von Krystof Harant) derzeit das einzige akustische Material und ist daher vor diesem Hintergrund durchaus empfehlenswert zum Kennen lernen einiger vergessener Kompositionen dieser beiden osteuropäischen Meister aus dem 16. Jahrhundert.

Michael Wersin, 30.08.2003



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