Der Bach-Zeitgenosse Johann David Heinichen war von 1717 bis zu seinem Tod im Jahre 1729 Dresdner Hofkapellmeister. Die 1728 entstandene Missa Nr. 11 ist ein musikalisch und besetzungstechnisch abwechslungsreiches Stück, dessen konzertierender Duktus allen Beteiligten die Möglichkeit zu virtuoser Entfaltung bietet. Anschaulich und engagiert wird der Messtext vorgetragen, ausdrucksvolle Kantilenen der Solisten oder das extravagante Thema einer Chorfuge erregen immer wieder aufs Neue das Interesse an dieser ausgesprochen kunstvollen Musik.
Der Dresdner Kammerchor und das Dresdner Barockorchester musizieren über weite Strecken mit der gewohnten Flexibilität, Prägnanz und Klangschönheit. Allerdings sind bei dieser Aufnahme einige Unebenheiten stehen geblieben, die bei den Aufnahmesitzungen eigentlich hätten auffallen sollen: Eine verunglückte Passage der Hörner, ein verwackelter Ton eines Gesangssolisten, einmal gar ein undefinierbares Störgeräusch, öfters aber auch mangelnde Präzision im Zusammenspiel, lassen einen von Zeit zu Zeit aufhorchen. Insgesamt gibt es immer wieder einmal etwas ermüdet oder unnötig schwer klingende Passagen.
Dies wird auch deutlich, wenn man das zweite Stück der CD, ein vor nicht allzu langer Zeit wieder entdecktes Jugendwerk Händels über den Psalmtext "Dixit Dominus", mit John Eliot Gardiners im letzten Jahr erschienenen Aufnahme vergleicht: Gardiners Sänger haben zwar hier und da etwas Mühe mit der gnadenlosen instrumentalen Virtuosität ihrer Partien, auch bei ihm ist mal ein Choreinsatz uneinheitlich, aber insgesamt hat seine Interpretation mehr Feuer und größere klangliche Tiefe. Angesichts des guten Potenzials, über das Rademanns Musiker verfügen - und das auch immer wieder hörbar wird -, sind die Mängel umso unnötiger und bedauerlicher.

Michael Wersin, 21.02.2002



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