Leopold Hofmann

Violinkonzerte

Lorraine McAslan, Tim Hugh, Nord-Kammerorchester, Nicholas Ward


Naxos 8.554233
(60 Min., 5/1997) 1 CD

Leopold Hofmann (1738-1793), in Wien als Zwanzigjähriger Hofklaviermeister der Kaiser-Familie und Klavierlehrer Maria Theresias, dürfte für die meisten Hörer Neuland bedeuten. Die hier vorgelegten Konzerte stehen stilistisch denen Haydns sehr nahe. So typisch sie für ihre Zeit auch sind, sprechen sie doch eine recht individuelle Sprache. Ihr schwungvoller Charakter erinnert bereits an Viotti. Lorraine McAslan, durch einige Aufnahmen andernorts bereits angenehm aufgefallen, spielt auch hier mit schlankem, blühendem Ton und leichtfüßigem, florettgleich federndem Duktus. McAslan findet sich mit dem Cellisten Tim Hugh und Nicholas Ward mit seinem Orchester zu einer homogenen Partnerschaft, der man die musikalische Entdeckerfreude anhört. Die ausgewogene Balance der Aufnahmetechnik und der günstige Preis machen die CD zu einer “runden Sache.”

Wolfgang Wendel, 30.06.1998


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.



« zurück

CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der
RONDO-Redaktion

Torquato Tassos Kreuzfahrerepos "Gerusalemme liberata" war im Italien des 18. Jahrhunderts so beliebt, wie den Deutschen ihre Ritter- und Heldensagen im 19. Jahrhundert. Die Gondolieri in Venedig konnten ganze Passagen auswendig rezitieren, berichtet Casanova, und auch in Rom, wo Tasso seine letzten Lebensjahre verbracht hatte, kannte man die Figuren des Epos gut, darunter vor allem den hehren Kreuzritter Rinaldo und seine Gegenspielerin, die Zauberin Armida. Georg Friedrich Händel, als blutjunger Tausendsassa nach Rom gekommen, saugte den italienischen Stil ein wie Muttermilch und verschaffte sich mit den musikdramatischen Juwelen seiner frühen Kantaten schnell die Hochachtung des römischen Adels. 1707 wurde auf einem Jagdausflug seine "Armida abbandonata" aufgeführt, die in drei Arien und zwei Accompagnati vollendet das Porträt der soeben von Rinaldo verlassenen Zauberin und ihre Seelenstürme porträtiert. Und diese Leidenschaften hat sich auch das Berner Ensemble "Les Passions de l'ame" unter Meret Lüthi zum Namensgeber erwählt. In ihrer neuen Aufnahme betten sie Händels Kantate geschickt als Epizentrum in Francesco Geminianis Ballettmusik "La Foresta incantata" (Der Zauberwald) ein, die dieser dem Epos Torquato Tassos fünfzig Jahre später abgelauscht hatte.