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Josef Hofmann

Klavierwerke

Fabiana Biasini

Hera/Klassik Center Kassel 02120
(61 Min., 9/2005) 1 CD

Man muss seine zehn Finger schon sehr gut unter Kontrolle haben, um die virtuosen Bonbons von Josef Hofmann souverän über die Rampe zu bringen. Die gute Nachricht: Fabiana Biasini hat die entsprechenden technischen Fertigkeiten durchaus zur Verfügung. Funkelnd explodieren die Tonkaskaden der hier versammelten spät-romantischen Charakterstücke unter ihren Händen, perlend ergießen sich Läufe und Akkordbrechungen ins Ohr des Hörers, kernig und knackig gelingen auch vertrackteste Spielfiguren. Gewisse Probleme hat die Italienerin eher mit der großen romantischen Geste: So manchen melodischen Bogen könnte man sich effektvoller ausgespielt vorstellen, und auch das Spiel mit den Farben und Klangschattierungen hat nicht jene betörende Tiefendimension, wie man sie etwa von Marc-André Hamelin gewohnt ist.
Genug genörgelt: Gut, dass diese unbekannte Klavierliteratur, von der es zum allergrößten Teil gar keine Einspielungen gibt, nun in einer durchaus geschmackvollen Interpretation auf CD vorliegt. Und wer ist er nun, dieser Josef Hofmann? Es handelt sich um jenen polnischen Klaviervirtuosen, der von 1876 bis 1957 gelebt, gespielt und pädagogisch gewirkt hat. Nur sehr wenige Aufnahmen, heute verlegt u. a. bei Testament und Nimbus Records, zeugen vom sagenhaften Können des Rachmaninow-Zeitgenossen, und auch als Komponist hat er sich nicht in den Vordergrund gedrängt; vielmehr liebte er es, sein Publikum an der Nase herumzuführen, indem er ein Pseudonym verwendete. Die geringe künstlerische Erbmasse führte zwangsläufig in die Vergessenheit - bis nun diese reizvolle CD dem Hörer zumindest einen schemenhaften Eindruck vom musikalischen Innenleben einer großen Künstlerpersönlichkeit des 19./20. Jahrhunderts zu vermitteln vermag.

Michael Wersin, 11.03.2006



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