Responsive image
Heinz Holliger, Béla Bartók, Robert Schumann

Sonaten für Violine und Klavier

Kolja Blacher, Bruno Canino

Arte Nova/BMG 74321 92784 2
(75 Min.) 1 CD

Erster Reflex: Endlich widmen sich "zwei alte Hasen" einer breiten Spanne hochkarätiger Violin-Klavier-Sonaten. Zweiter Reflex: Die beiden Musiker wissen zu gut, was sie tun. Bei Bartóks zweiter Violinsonate wirkte der Kopfsatz, ein Allegro appassionato, wie ein unentschlossen absolvierter Debussy. Im Adagio erreichen Blacher-Canino punktuell fast beklemmende Dichte. Da hört man wirklich mit Gespanntheit zu. Im Allegro-Finale wünscht man sich anstelle des Klavier-Hansdampf in allen Gassen Canino einen Pianisten vom Schlage eines Roberto Szidon.
In Schumanns zweiter Violinsonate op. 121 setzt sich der Mangel an natürlich atmender Phrasierung fort. Forciertheit steht an Stelle "blühender" Stimmungsentfaltung. Natürlich wissen beide Musiker, worauf sie sich eingelassen haben. Man hört dauernd mit, was sie - möglicherweise - eigentlich wollten. Doch vermag ich neben purer "Richtigkeit" so gut wie keine an meine Intuition gerichtete "Botschaft" zu hören.
Damit stehen rund 67 nicht gerade überzeugende Minuten knapp 8 Minuten mit einer Auswahl aus Heinz Holligers Miniaturen-Zyklus "Lieder ohne Worte" (1985-1994) gegenüber. Und hier beginne ich zu bedauern, dass Blacher-Canino nur drei der elf Miniaturen aufgenommen haben. Die knapp gefassten Stücke voller klanglicher und rhythmischer Fantasie scheinen die Interpreten so einzuspannen, dass sie selbst gar nicht um die Weitergabe von Spannung herumkommen. Holligers Mikrokosmos geht unter die Haut.

Wolfgang Wendel, 12.12.2002



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top