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Italo Montemezzi

L’amore dei tre re

Ezio Pinza, Charles Kullman, Grace Moore u.a., Metropolitan Opera Orchestra, Italo Montemezzi

Guild Historical/Musikwelt GHCD 2234/35
(141 Min., 2/1941) 2 CDs

"L’Amore dei tre Re" ist die einzige jemals zu breiter Popularität gelangte Oper von Italo Montemezzi (1875-1952); freilich verschwand auch sie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von den Spielplänen, obwohl sie zuvor sehr beliebt gewesen war - die vorliegende Life-Aufnahme aus dem Jahre 1941 von der New Yorker Met ist einer von vielen Belegen dafür. Montemezzi gelang es, mittels einer durchaus eigenständigen Tonsprache eine sehr dichte und fesselnde, vorwiegend düstere Atmosphäre zu schaffen, mit der er die im mittelalterlichen Italien situierte Handlung in trefflichster Weise zum Leben erweckt: Der bösartige alte Blinde Archibaldo und sein Sohn Manfredo sind deutsche „Barbaren“, die auf einem einsamen Schloss leben und über einen vor vierzig Jahren unterworfenen italienischen Landstrich herrschen. Die Italienerin Fiora wurde als Bedingung für den Frieden mit Manfredo verheiratet, war ursprünglich aber Avito, dem rechtmäßigen italienischen Herrscher der Gegend, zugedacht gewesen. Entsprechend eifersüchtig bewacht Archibaldo seine Schwiegertochter, in die er selbst auch verliebt ist. Dennoch gelingt es Avito, sich ihr zu nähern, und ein tödlich endendes Drama nimmt seinen Lauf...
Montemezzis Musik zu dieser Geschichte ist vom ersten bis zum letzten Takt spannend: Motivik, orchestrale Farben und Führung der Gesangspartien können nur als genial und höchst suggestiv bezeichnet werden. Obwohl dies seinerzeit durchaus erkannt wurde, geriet die Oper in Vergessenheit, und dieses Schicksal erweist sich als sehr hartnäckig: Bei den Bregenzer Festspielen wurde das Stück 1998 auf die Seebühne gebracht, aber die dort entstandene Aufnahme (Koch-Schwann) ist durch unqualifizierte Sänger versauert. Eine passable italienische Einspielung von 1950 unter Mario Basile mit Sesto Bruscantini und Clara Petrella (Warner Fonit) bringt das Werk vor allem orchestral auch nicht optimal zur Geltung. Die hervorragende Referenz-Einspielung von Nello Santi mit Placidó Domingo, Anna Moffo und Cesare Siepi (BMG) hingegen wurde ärgerlicherweise kürzlich gestrichen. Die nun verfügbare Lifeaufnahme unter Leitung des Komponisten gleicht diesen Mangel trotz ihres unzweifelhaften dokumentarischen Werts leider nicht adäquat aus: Zwar war der italienische Ausnahme-Bassist Ezio Pinza einer der hervorragendsten Interpreten des bösen Archibaldo, und auch Charles Kullman (Avito) sowie Grace Moore (Fiora) machen ihre Sache recht gut. Auf Grund der eingeschränkten Tonqualität jedoch kommt der Orchesterpart nicht genügend zur Geltung, so dass das Meisterwerk in seiner Gesamtheit nicht angemessen erlebt werden kann, vor allem dann nicht, wenn man es nicht schon kennt. Für Ezio-Pinza Fans hingegen ist die Doppelbox wegen einiger anderer Einzelaufnahmen mit ihm und einem Interview-Ausschnitt höchst attraktiv.

Michael Wersin, 28.06.2003



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