Responsive image
Franz Lehár, Karl Millöcker, Carl Zeller u.a.

The Operetta Album

Barbara Bonney, Ronald Schneider

Decca/Universal 473 473-2
(60 Min., 8/2002) 1 CD

Um dem leichten, nicht immer mitreißenden Operettenhüftschwung noch mehr Aufmerksamkeit zu verleihen, könnte man das mit so mancher Repertoire-Trouvaille versuchen. Oder mit einer Sängerin wie Barbara Bonney. Denn obwohl ihr "Operetten-Album" gespickt ist mit allem, was sich selbst bei denjenigen ins musikalische Gedächtnis eingebrannt hat, die "Fledermäuse" und "Weiße Rössl" sonst eigentlich nur hinter Glas erleben wollen, schafft Bonney einfach herrlichste Überzeugungsarbeit. Mit 18 Schmachtfetzen von Carl Zeller ("Der Vogelhändler") über Franz Léhars "Lustige Witwe" bis zu den Greatest Hits von Johann Strauss, Robert Stolz und Karl Millöcker.
Und tatsächlich: aus der augenzwinkernden und ohrenwurmstichigen Wiener bzw. Berliner Operettenwelt ist jetzt eine Delikatesse eingezogen, wie sie bis dahin nur in den Melodien von Offenbach und Reynaldo Hahn zu entdecken war. Denn Bonney vertraut ihrer Stimme und nicht den theatralischen Zusatzstoffen und Verlockungen. Ihr Sopran ist strahlend, aber nicht poliert; sind flexible Kolorierung, ausbalanciertes Vibrato und eine bruchlose Messa di voce ihre Trumpfkarten, um Unterhaltung nie unters Niveau rutschen zu lassen. Aus Künnekes "Strahlender Mond" ("Der Vetter aus Dingsda") zaubert Bonney eine in sich ruhende Belcanto-Ballade; wird bei ihr Léhars "Guiditta" nicht zu einer billigen Carmen-Kopie, sondern eine Verführerin, die ihre Pfeile mit intelligent distanziertem Charme abfeuert. Und Roland Schneider gibt am Klavier perfekt die Richtung an.

Guido Fischer, 23.08.2003



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Bloß kein BreX-mas: Da haben die Chefunterhändler ganze Arbeit geleistet, damit Theresa May und Jean-Claude Juncker endlich den Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen verkünden konnten. Doch grüne Grenzen und Binnenmarkt-Bestrebungen in Ehren – wie hoch wäre eigentlich der kulturelle Verlust Europas durch den Ausstieg der Briten zu beziffern? Wir meinen, gerade was Advent und Weihnachtszeit angeht ist der Beitrag des Vereinigten Königreichs kaum hoch genug zu schätzen, da die […] mehr »


Top