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Friedrich Wilhelm Michael Kalkbrenner

Klavierkonzerte Nr. 1 u. 4

Tasmanian Symphony Orchestra, Howard Shelley

Hyperion CDA67535
(59 Min., 5/2005) 1 CD

Wie sein guter Freund, der sieben Jahre ältere Johann Nepomuk Hummel, hatte der 1785 geborene Friedrich Wilhelm Michael Kalkbrenner das Pech, stilistisch zwischen die Epochen zu fallen: Während sein filigraner, flinkfingriger Klavierstil noch dem Erbe Mozarts und Clementis verpflichtet war, gehörte der Berliner zugleich zu den Wegbereitern des romantischen Virtuosenkonzerts und schrieb auf dem Höhepunkt seiner Karriere im Paris der 1820er und 30er Jahre stimmungsvolle Klavierkonzerte, die unter anderem den jungen Chopin mächtig beeindruckten. Ein Paradefall mithin für die Hyperionserie "Das romantische Klavierkonzert", die schon mit ihren letzten, Ignaz Moscheles und Henri Herz gewidmeten Aufnahmen diese frühromantische Epoche nach Trouvaillen durchstöbert hat. Und zumindest das erste Klavierkonzert ist tatsächlich ein Fund: Schon der Kopfsatz kontrastiert die pianistische Spitzenklöppelei mit ihren Läufen, Trillern und repetierten Noten reizvoll mit einer dramatischen, schicksalsschwangeren Grundstimmung; ein Adagio mit reichlich träumerischem Diskantgeglitzer und ein schmissiges Rondo runden den Halbstünder effektvoll ab. Das erste Klavierkonzert, offenbar Kalkbrenners bestes, war bislang als einziges auf CD greifbar. Gegenüber dieser, seinerzeit für die amerikanische Vox entstandenen Pionieraufnahme mit dem österreichischen Pianisten Hans Kann bringt Howard Shelley erheblich mehr an Fingerfertigkeit und Geschmack ein: Shelleys straffer, jedoch nie harscher Zugriff sorgt für dramatischen Zusammenhalt, die Finesse seines Anschlags lässt die Sechzehntelketten prickeln. Das 1835 entstandene vierte Konzert mit seiner allzu blassen Substanz kann er freilich auch nicht retten.

Jörg Königsdorf, 22.02.2007



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