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Leopold Koželuh

Sinfonien

Concerto Köln

Teldec/Warner Classics 8573-85495-2
(75 Min., 11/2000) 1 CD

Das Concerto Köln ist nicht nur eines der treffsichersten Ensembles, was die Rekonstruktion historischer Klangkulissen angeht, mittlerweile kommt jede seiner Ausgrabungen einer Trüffel gleich. Gerade Komponisten aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die sich in Wien tummelten und postum durch das musikgeschichtliche Raster gefallen sind, entpuppen sich beim Concerto Köln als überfällige Wiederentdeckung.
Nach dem Mozart-Intimus Anton Eberl ist es nun der Tscheche Leopold Kozeluch. 1747 in Prag geboren, kletterte Kozeluch in Wien die Karriereleiter als Komponist, Pianist und Pädagoge derart rasant hoch, dass er eine Lebensstellung am Kaiserlichen Hof dem Angebot vorziehen konnte, Mozart in Salzburg zu beerben. Und wenngleich der Kontakt zwischen den beiden kaum verbrieft ist, besitzen die Sinfonien von Kozeluch mehr von Mozarts harmonischen Reibeflächen als von der zweiten und dritten Komponistenreihe, die sich im Nachbuchstabieren der Wiener Klassik-Gesetze übten.
Von den zwischen 1779 und 1787 entstandenen vier Sinfonien ist es besonders die in C-Dur, die mit ihren hochdramatischen Eingangstutti in den Bläsern und Pauken, den pulsierenden Themen und Modulationen von fahlem Licht hin zu grellen Schärfen an ein unbekanntes Meisterwerk Mozarts denken lässt. Und wie sich im Adagio aus einem kantablen Dialog von Flöte und Oboe kontrapunktische Wendungen einstellen und zu einer fiebrigen Dringlichkeit übersetzen - das ist einfach große Musik.
An diesen formalen Reichtum reichen die übrigen Sinfonien zwar nicht ganz heran, doch das Concerto Köln kann ja bekanntlich Silber vergolden. Mit hinreißendem Drive und der Lust an rhythmischer Prägnanz fordern die Musiker eine französisch eingefärbte Sinfonie heraus; konturieren sie das Gewebe um selbst sehr vordergründige Melodik, dass ein Innenleben voller Leuchtkraft entsteht.

Guido Fischer, 11.10.2001



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