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Ernst Krenek

Alpbach-Quintett op. 180, Sinfonische Musik für neun Soloinstrumente op. 11

Petersen-Quartett, Rosetti Bläserquintett

Capriccio/Delta Music 67 176
(47 Min., 5/2003, 11/2003) 1 CD

Über 240 Opera hinterließ Ernst Křenek (1900-1991) – ein beachtliches Lebenswerk besonders auch vor dem Hintergrund seiner stilistischen Vielfalt, die große Bereiche des avantgardistischen Musiklebens im 20. Jahrhundert widerspiegelt. Einen großen Bogen spannt auch die vorliegende CD: In der 1922 für Donaueschingen komponierten "Sinfonischen Musik für neun Soloinstrumente op. 11" bedient sich Křenek, damals noch Student Franz Schrekers, einer in Duktus und Satzstruktur neoklassizistischen bzw. neobarocken Tonsprache, die auf harmonischer Ebene in ihrer rau-objektiven Nüchternheit zwar schon weit über die Nachromantik des damaligen (kurze Zeit später verlassenen) Lehrers hinausweist, aber noch tonal gebunden ist. Das Alpbach-Quintett op. 180 hingegen, entstanden 1962 in Kalifornien im Auftrag des "Europäischen Forums Alpbach", ist eine auf Basis der Reihentechnik entstandene, streckenweise seriell strukturierte Komposition für Bläser und Schlagzeug. Das intensive Miteinander sehr expressiver melodischer Linien, gelegentlich von Schlagwerkklängen kontrapunktiert, vermag mit ausgeprägter musikalischer Gestik (es handelt sich um ein Stück für das Tanztheater) durchaus unmittelbar anzusprechen, aber aufgrund der kompromisslos kargen Klanggestalt bei durchsichtig-ausgedünnter Satzstruktur ist für ein umfassendes ästhetisches Hörerlebnis doch eine gewisse Einhörzeit unabdingbar. Der klangvolle Titel mit der Bezugnahme auf den tirolerischen Gebirgsort ist hier nur ein (auftragsbedingter) Terminus technicus und sagt rein gar nichts über die musikalische Substanz aus; vielleicht spielt hier u. a. auch die Aufarbeitung biografischer Bitternisse eine Rolle: Křenek, der in den 30er vor den Nazis fliehen musste, hat sich einstmals gern in Tirol aufgehalten.
Das Petersen-Quartett und das Rosetti Bläserquintett haben sich mit großem Engagement und überzeugendem Können den nicht gerade einfachen Interpretationsanforderungen dieses ambitionierten Programms gewidmet; es gibt an ihrer bemerkenswerten Leistung rein gar nichts auszusetzen. Möge der Einsatz der Musiker diesen heute kaum bekannten Werken zu größerer Popularität verhelfen!

Michael Wersin, 05.08.2007



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