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Thomas Larcher

Ixxu, My Illness Is The Medicine I Need, Mumien, Cold Farmer

Thomas Demenga, Thomas Larcher, Christoph Poppen, Andrea Lauren Brown, Rosamunde Quartett

ECM/Universal 476 3156
(54 Min., 7/2005) 1 CD

Der Österreicher Thomas Larcher hat sich mittlerweile zu einer weit beachteten Doppelbegabung aus Komponist und Pianist entwickelt. Was im Gegensatz zu den längst vergangenen Zeiten und Jahrhunderten, als sich das Tonsetzen und die instrumentale Praxis einander bedingten, eine Seltenheit geworden ist. Larchers Strukturdenken scheint dabei gerade von den körperlichen Ausmaßen des Klaviers nicht zu trennen zu sein. So enorm dreidimensional ist seine Musik, erlebt man besonders in seinen Kammermusikkompositionen sich ständig verändernde Physiologien. Allein mit dieser hieraus entstehenden Unmittelbarkeit zieht er den Hörer gnadenlos ins Geschehen hinein, gibt es keine Nervenenden in den Partituren, an die man nicht sofort andocken muss. Dabei ist Larcher das Gegenteil von einem zeitgenössischen Luftikus oder von einem gezähmten Wilden. Die Konfliktpotentiale haben auch dann weiterhin Bestand, wenn er – wie im Streichquartett "Ixxu" – Tutti durchziehen lässt, die ihre Wurzel in der klassischen Wiener Schule zu haben scheinen.
Larcher, der sich bei Heinz Holliger und Isabel Mundry seinen Unruhezustand zugelegt hat, markiert mit den regelrecht haptischen Gegenpolen musiktheatralische Ausnahmezustände, Tradition wird genauso ins Geschehen hineingepresst wie es unter der Oberfläche heftig rumort. Ob in dem furiosen Duo "Mumien" für Cello und Klavier, den beiden Streichquartetten "Ixxu" und "Cold Farmer" oder in dem Liedzyklus "My Illness is the Medicine I Need", für den Larcher – ganz Komponist aus dieser Welt – auf Gedankensplitter von Psychiatriepatienten zurückgegriffen hat, die im Benetton-Magazin "Colors" veröffentlicht worden sind. Aber die Körperlichkeit dieser Werke würde gnadenlos in sich zusammenfallen, wenn es neben Larchers Klavier eben nicht auch all diese Interpreten wie das Rosamunde Quartett oder den Cellisten Thomas Demenga geben würde, die entsprechend zuzupacken wissen.

Guido Fischer, 19.01.2007



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