Responsive image
Joseph Haydn

Il ritorno di Tobia

Ann Hallenberg, Roberta Invernizzi u.a., Capella Augustina, Andreas Spering

Naxos 8.570300-02
(169 Min., 9/2006) 3 CDs

Angesichts der Popularität von "Schöpfung" und "Jahreszeiten" scheint es nahezu unglaublich, dass es von Joseph Haydns drittem großen Oratorium "Il Ritorno di Tobia" bisher keine lieferbare Aufnahme gab. Und doch schließt die Einspielung von Andreas Spering eine Kataloglücke, nachdem die Pionieraufnahme von Antal Dorati nicht mehr erhältlich war. Freilich hat der "Tobia" mit der anschaulichen Orchestersprache der beiden späten Oratorien kaum etwas zu tun. Als Haydn ein Vierteljahrhundert vorher die alttestamentarische Geschichte von der Heimkehr des lang vermissten Sohnemanns ins Elternhaus vertonte, orientierte er sich am Erfolgsmodell des italienischen Opern-Oratoriums. Das bedeutete im Wesentlichen einen Wechsel von Secco-Rezitativen und großformatigen, reich verzierten Da-Capo-Arien, die von wenigen Ensembles mehr gerahmt als dramatisch durchbrochen werden. (Die Naxos-Aufnahme fügt noch zwei prächtige Chorsätze aus der 1784 entstandenen Zweitfassung hinzu.) Der Grundton der nicht unbedingt konfliktträchtigen Geschichte ist mithin festlich, selbst die bangen Erwartungen der wartenden Eltern stehen unter der Prämisse häuslicher Beschaulichkeit – erst in der zweiten Hälfte gewinnt das Geschehen deutlich an Dramatik. Spering, der sich schon mit einer Kantaten-CD für den frühen Haydn engagierte, sorgt mit seiner auf historischen Instrumenten spielenden Cappella Augustina für ein Maximum an dramatischen Kontrasten und optiert auch in den Rezitativen und Accompagnati für große Oper statt für oratorische Gemessenheit. Mit einem stilsicheren und koloraturagilen Ensemble um die bravouröse schwedische Mezzosopranistin Ann Hallenberg besetzt, gelingt so eine Haydn-Referenzeinspielung.

Jörg Königsdorf, 11.01.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Eine Panzerdivision war es, mit der die Briten vor genau einhundert Jahren, vom 20. November bis 3. Dezember 1917, vor Cambrai einen Durchbruch durch die deutschen Stellungen schafften. Die grausame Realität des Krieges in den Schützengräben der Westfront hatte der 1914 noch begeistert ausgerückten Jugend jede Siegesrhetorik ausgetrieben. Mitten unter ihnen: Der englische Dichter Wilfred Owen, der die Erlebnisse in seiner Lyrik verarbeitet, bis er eine Woche vor Kriegsende in Frankreich […] mehr »


Top