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Clemens non Papa, Antoine Busnois, Loyset Compère u.a.

Medieval Christmas

Orlando Consort

harmonia mundi HMU 907418
(68 Min., 11/2005) 1 CD

Ob diese Weihnachts-CD dieses Jahr in vielen weihnachtlich geschmückten Stuben erklingen wird? Reizvoll ist der Gedanke ja, einmal die kitschigen Kinderchor-Schallplatten oder die durchdesignten All-Star-Produkte der Majors im Schrank zu lassen und sich ein ganz reines, feines, hochwertiges Produkt mit früher Mehrstimmigkeit und Renaissancemusik, gesungen von einem englischen Spitzenensemble, zur Erbauung des Gemüts zu kredenzen. Aber ach: Die herben Klänge der tropierten gregorianischen Gesänge aus dem Winchester-Tropar und der Organa aus Aquitanien wollen unseren festlich gestimmten Ohren gar nicht so recht schmeicheln, und auch Guillaume Dufays etwas vordergründiger Humor in seinem Hihi-haha-hehe-Rondeau zum Neujahrstag "Ce jour de l’an" (was die da wohl getrunken haben!) kann uns gar nicht so sehr begeistern, zumal in der etwas biederen Vortragsweise der englischen Herren hier. Insgesamt übrigens befleißigen sich einige der Herren im mittelalterlichen Teil des Programms über weite Strecken einer etwas rustikalen Art zu Singen, als wollten sie damit einer dunklen Vorstellung von Verderbtheit und lausbübischer Plärrmäuligkeit Rechnung tragen. Aber wer weiß schon, ob die Leute wirklich so waren und ob die beginnende Renaissance dann plötzlich einen ganz anderen Menschen- und Sängertypus hervorgebracht hat, wie es die Aufnahmen dieser CD zu implizieren scheinen - mit dem Auftreten von Clemens non Papa (ca. 1550-1556) nämlich ändert sich der Tonfall schlagartig: Augenblicklich hören wir vom Orlando Consort jenen irisierend wohltimbrierten, klaren, homogenen und intonationsreinen Klang, wie wir ihn von den besten englischen Ensembles gewohnt sind. Ja, an dieser Stelle der CD beginnt ein Weihnachten nach unserem Geschmack. Wie schön.

Michael Wersin, 17.11.2006



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