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Diverse

Piano Transcriptions

Jura Margulis

Oehms Classics OC 545
(78 Min., 5/2004) 1 CD

Ganz schön mutig: Von nahezu jedem der Stücke, die Jura Margulis auf seiner neuen CD spielt, gibt es zumindest eine legendäre Einspielung, die für Klavierfans in den Schrein des Allerheiligsten gehört. Ob die Bach-Busoni-Chaconne mit Jorge Bolet, ob der "Danse Macabre" mit Horowitz oder der "Hummelflug" mit Rachmaninow oder Cziffra - der gemeinsame Reiz all dieser Transkriptionen lag stets darin, dass hier die Virtuosität transzendiert wurde und selbst die haarsträubendsten technischen Schwierigkeiten sich in Luft oder vielmehr puren Ausdruck auflösten. Bei Jura Margulis, dem Sohn des berühmten Klavierpädagogen Vitali Margulis, sucht man solche Grenzerfahrungen allerdings vergeblich: Unanfechtbar, aber allzu vorhersehbar absolviert er den Parcours technischer Höchstschwierigkeiten, schon Glucks einleitendem "Reigen seliger Geister" fehlt die altmeisterliche Legato-Finesse, die dem Stück erst seine Schwerelosigkeit verleiht. Der Bach-Busoni-Chaconne fehlt bei aller lobenswerter Durchhörbarkeit die hypnotische Steigerung von Variation zu Variation, beim "Danse Macabre" sitzt eben doch kein Teufel an den Tasten, sondern nur ein braver Pianist. Und so weiter. Am besten fährt noch Margulis Eigentranskription von André Caplets Poe-Stück "La masque de la morte rouge", auch wenn die gespenstische Körperlosigkeit des Originals für Harfe und Streichquartett hier eher dem handfesten Schrecken eines Splatter-Movies gewichen ist.

Jörg Königsdorf, 24.11.2006



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