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Francesco Gasparini, Antonio Caldara, Giovanni Battista Alveri, Attilio Ariosti, Costanzo Porta u.a.

Mia vita, mio bene - Kantaten und Arien

Ditte Andersen, Ann Hallenberg, Lautten Compagney, Wolfgang Katschner

Berlin Classics/Edel 1790
(78 Min., 11/2005) 1 CD

Fernab der Musikweltstädte besaß man während der Blütezeit der Residenz- und Palastkultur auch in der Provinz Geschmack und Stil. Und wenn schon der Etat nicht genügend Taler hergab, um sich einen Hofkomponisten und eine Musikanten-Entourage zu leisten, so ließ man wenigstens seine fürstlichen Kontakte spielen und stellte sich aus bedeutenden Sammlungen ein eigenes Notenarchiv zusammen. Das pflegten zu Beginn des 17. Jahrhunderts auch Fürst Günther I. im thüringischen Sondershausen und Herzog Anton Ulrich in Meiningen zu tun. Für ihre Hofmusik griffen sie besonders auf italienische Kantaten und Opernarien zurück, in denen das antike Arkadien mit all den Liebessäuseleien und -schmerzen wachgeküsst wurde. Und dies von damals prominenten Komponisten wie Francesco Gasparini, Attilio Ariosti und den Bononcini-Brüdern. Der Großteil ihrer Werke schlummerte aber tatsächlich bis heute unentdeckt in den örtlichen Bibliotheken. Weshalb die Lautten Compagney mit ihrer Einspielung zumindest ihren Ruf als versierter Raritätensammler und -Jäger bestätigen kann.
Doch auch wenn die beiden Solistinnen Ditte Andersen und Ann Hallenberg in die Opern en miniature, in der Pastorale "Nigella e Tirsi" von Caldara etwa oder in der Kantate "Ditemi che cos´è" von Tommaso Bernardo Gaffi mit ausgesprochener Tonschönheit eintauchen, so stellt sich im Laufe der Aufnahme eine gewisse Konturenlosigkeit ein. Trotz einer durchaus versierten, vorrangig der hochreduzierten Kammermusik verpflichteten Continuoarbeit. Den Werken fehlt einfach dieses dramatische und magische Ausleuchten von intimen und individuellen Gefühlswelten, wie es beispielsweise ein Andreas Scholl auf seiner Arkadienreise mit der wesentlich affektreicher agierenden Accademia Bizantina vorgemacht hat. Vieles der potentiellen Delikatesse und Spannung ist hier jetzt nur zu erahnen. Wie in der instrumentalen Version einer Ariosti-Arie mit ihrem lauschig federnden Rhythmus. Ansonsten möchte man fast vermuten, dass man den beiden thüringischen Fürsten leider nur Partituren zweiter Wahl angedreht hat.

Guido Fischer, 01.12.2007



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