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Christian Jost, Franz Schubert, Claude Debussy, Maurice Ravel u.a.

Sketches Of Greece

Stella Doufexis, Axel Bauni

Coviello Classics/Note 1 COV 40613
(69 Min., 7/2006) 1 CD

"Schöne Welt, wo bist du? ": Franz Schubert und die durch den Unabhängigkeitskampf der Griechen gegen die Türken hervorgerufene Griechenlandbegeisterung seiner Zeit als Ausgangspunkt für ein Liedprogramm, das nicht beim deutschen Lied verweilt, sondern – der halb griechischen Herkunft der Mezzosopranistin Stella Doufexis gemäß – auch griechische Lieder einbezieht. Dazu kommen außerdem französische mélodies mit Bezug zu Griechenland (Debussys "Chansons de Bilitis", Chaussons "Hébé" und Ravels "Cinq mélodies populaires grecques") und, im Zentrum des Programms, eine zeitgenössische Komposition (Christian Josts "KΩMA", eine lyrische Szene nach Sappho). Eine anspruchsvolle, in sich stimmige und beziehungsreiche Anthologie, oft erprobt wohl schon in Liederabenden von Stella Doufexis und ihrem höchst versierten Klavierpartner Axel Bauni. Nach leicht statischem Beginn mit dem eingangs zitierten Schubertlied nach Schiller entfaltet Stella Doufexis das volle Spektrum ihres Könnens erstmals im anschließenden, 1949/50 entstandenen Liederzyklus von Arghyris Kounadis: Die stilisierten Folklore-Elemente dieser Gesänge, in der Art der kompositorischen Umsetzung gelegentlich ein wenig an Theodorakis erinnernd, passen ganz hervorragend zu Stella Doufexis’ Stimme; dafür ist einerseits die streckenweise tiefere Lage verantwortlich, die ein stärker bruststimmiges Timbre bedingt, andererseits und im Zusammenhang damit aber auch eine Art von untergründig leidenschaftlicher Zugkraft in der Interpretation, die man so bei dem genannten und den vier anderen Schubertgesängen auf dieser CD nicht erlebt. Durchaus differenziert, aber doch auch ein wenig harmlos geht Stella Doufexis mit den Debussyliedern um: Die schwüle, gelegentlich bedrohliche Erotik dieser Musik bleibt in ihrer Darbietung recht verborgen, weil die Sängerin sich scheut, mit einem ganz offenen, ungedeckten Einsatz ihrer Stimme Farbe zu bekennen. (Man höre dagegen die historischen Einspielungen von Maggie Teyte!) Dies schränkt auch die Wirkung der an sich interessanten (von Doufexis und Bauni im Jahre 2002 uraufgeführten) Sapphoszene von Christian Jost ein: Stella Doufexis agiert zwar engagiert, bleibt aber rein stimmlich, besonders in der höheren Lage, ein wenig unfrei und monochrom – ein Problem, das eher technische als interpretatorische Ursachen hat und einer entsprechenden Lösung harrt. Die Veröffentlichung der CD verzögerte sich übrigens, so war zu hören, weil es Probleme mit dem Künstlerinnenfoto auf dem Cover gab. Die scheinen nun gelöst, aber es bleibt die eigenwillige Schreibweise des Wortes "sketches" (Skizzen) mit c statt k (hier stillschweigend korrigiert): Eine der skurrilen Blüten, die unsere verbreitete Anglomanie treibt. Sagt’s doch einfach auf deutsch.

Michael Wersin, 02.02.2007



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