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Alexander Agricola u.a.

Chansons

Michael Chance, Fretwork

harmonia mundi HMU 907421
(75 Min., 6/2005) 1 CD

Der Countertenor Michael Chance wurde für diese CD nicht über die Maßen beansprucht – nur vier der insgesamt 22 Stücke enthalten einen eindeutig zum Singen bestimmten Part, in vielen anderen Fällen bleiben aufgrund fehlender Textierung diesbezüglich Fragen offen. Da der 1955 geborene Chance stimmlich keineswegs mehr in tadellosem Zustand ist, markieren diese vier Chansons leider exakt die problematischen Momente des ansonsten brillant interpretierten Programms, das einen weiteren Jubilar des Jahres 2006 ehrt: Alexander Agricola, geboren als Alexander Ackerman um 1456 in Gent, starb im August 1506 als hoch angesehenes Mitglied der Hofkapelle Philipps des Schönen. Die Gambisten des Ensembles Fretwork präsentieren Kompositionen Agricolas über präexistente Cantus firmi – in diesem Zusammenhang besonders interessant die Reihung mehrerer Versionen von "Comme femme desconfortee", "De tous bien plaine" und "Dung aultre amer" – sowie über vermutlich eigene Melodien wie etwa "Pater meus agricola est". (Agricola spielt hier unter Verwendung eines Bibelzitats auf seinen Namen an.) Garniert wird das Programm u. a. durch zwei moderne Kompositionen von Fabrice Fitch auf der Basis von Motiven Agricolas – Fitch hat sich als Agricolaherausgeber intensiv mit dessen Musik auseinandergesetzt. Ein vielfältiges, aspektreiches Programm also, das die Werke des im Jubiläumsjahr kaum beachteten Renaissancekomponisten effektvoll in die Gegenwart zu transferieren trachtet – vielleicht nicht gerade das spektakulärste Projekt von Fretwork, aber bei näherer Betrachtung doch ein sehr wertvoller Beitrag zum Alte Musik-Geschehen abseits der auch in diesem Bereich schon zahlreichen ausgetretenen Pfade.

Michael Wersin, 02.02.2007



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