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Ludwig van Beethoven, Sergei Prokofjew, Frédéric Chopin u.a.

Live in Paris - Werke von Beethoven (Klaviersonaten opp. 14/1, 14/2, 28), Prokofjew (Sonate Nr. 7 op. 83), Chopin (Mazurken) u.a.

Grigory Sokolov

naive/helikon harmonia mundi DR 2108
(123 Min., 11/2002) PCM-Stereo, PAL 16:9 bwz. NTSC 4:3

Von der Fangemeinde, die nicht gerade mit Lebenszeichen von Grigory Sokolov aus dem Aufnahme-Studio verwöhnt werden, wird die DVD sicherlich ab sofort wie ein Heiliger Gral beschützt werden. Denn bei dem Konzertmitschnitt, der 2002 im dem altehrwürdigen Théâtre des Champs-Elysées entstand, ist Sokolovs Klavierspiel in der ganzen Meisterschaft konzentriert. In den Beethoven-Sonaten präzisiert Sokolov sein kategorisches Formbewusstsein, das in seiner Gesanglichkeit immer auch auf Schubert verweist. Bei dem armenischen Komponisten Komitas kleidet er die sechs Tänze ohne folkloristische Manierismen aus, belebt Sokolov sie stattdessen mit einer Schwerelosigkeit, die dem harmonischen Raffinement und den puristischen Melodienbewegungen gerecht wird. Und auch in der 7. Klaviersonate von Prokofjew ist es beeindruckend, wie dieses Schlachtengemälde von überreizter Akkordik, perkussiven Drohgebärden und elastischen Pathos-Beschwörungen nicht immer dem überdramatischen, zum Klischee geronnenen Ausdrucks-Dualismus geopfert werden muss.
Sokolov ist spätestens da zu einem imponierenden Vermittler zwischen abstrahierender Erdenschwere und greifbarer Himmelsgröße geworden, der in einer kleinen Zugabe von François Couperin seine Finger gleich wie einen ganzen Schwarm Schmetterlinge durcheinander flattern lässt. Was bei der kolossalen Physiognomie von Sokolov noch mehr verblüfft. Überhaupt gehört die Produktion und damit auch die Inszenierung von Sokolov nicht unbedingt zur täglichen DVD-Kost. Wofür kein Geringerer als Regisseur Bruno Monsaingeon gesorgt hat, der einem breiten Publikum längst seit seiner Glenn-Gould-Trilogie ein Begriff ist. In dem fast abgedunkelten Konzertsaal behält Monsaingeon die intime Atmosphäre genauso im Auge, wie die virtuosen Details nie verklärend vor die Kameralinse gepresst wurden. Das einzige, was aber selbst Monsaingnon nicht einfangen konnte, war ein Lächeln von Grigory Sokolovs. Das hatte der da schon bereits der f-Moll-Mazurka op. 68/4 von Chopin geschenkt.

Guido Fischer, 14.02.2004



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