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Georges Bizet, Gioachino Rossini, Jacques Offenbach, Vincenzo Bellini

Lebendige Vergangenheit: Jennie Tourel

Jennie Tourel, div. Orchester und Dirigenten

Preiser/Naxos PR 89589
(1945 - 1952)

Ihre Biografie verstand die Mezzosopranistin Jennie Tourel stets geschickt zu verschleiern: Wurde sie 1899 in Montréal (Kesting) oder 1900 in Vitebsk (Malisch) geboren? Jedenfalls war es nicht 1910, wie sie selbst behauptete, und ohne Zweifel ist sie Tochter jüdisch-russischer Eltern. Den Künstlernamen Tourel montierte sie selbst aus dem Namen ihrer Pariser Gesangslehrerin Anna El-Tour, und gestorben ist sie 1973 nach einer langen, nicht immer spektakulären, aber sehr soliden Karriere. Kesting führt ihren Erfolg gerade darauf zurück, dass ihre Stimme nicht wirklich außerordentlich war - womit er sicher Recht hat: Ihr Timbre ist besonders in der Mittellage angenehm, ihre Vollhöhe erweist sich als etwas dünn, ihre Koloraturen laufen nicht immer ganz reibungslos, weshalb u. a. in den entsprechenden Passagen von "Una voce poco fa" (Rossini) einige Töne fehlen. In den tiefen Lage fehlt es ihr außerdem etwas an Volumen. Aber sie versteht es, ihre Stärken auszuspielen: "Je t’adore" (Offenbach) lebt von warmen, offenen Tönen in Tourels "Schokoladen-Lage" und von wahrhaft charmanter Linienführung. Als Carmen kommt sie ohne aufgesetztes Pathos aus, indem sie nicht mehr (und nicht weniger!) bietet, als sie hat: Einen samtig-warm timbrierten, nicht sehr großen, aber biegsamen und zu berückender Eleganz fähigen Mezzo-Sopran.

Michael Wersin, 13.03.2004



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