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Giuseppe Verdi, Erich Wolfgang Korngold, Giacomo Puccini, Franz Lehár u.a.

Joseph Schmidt - A Song Goes Round The World

Joseph Schmidt

Profil, Hänssler/Naxos PH04017
(146 Min., 1929 - 1935)

Wiederhören mit Joseph Schmidt anlässlich seines 100. Geburtstags des am 4. März 2004 Geborenen: Hänssler präsentiert auf zwei CDs eine gute Auswahl seiner Aufnahmen; freilich, Neues ist nicht darunter, Neues ist wohl auch nicht mehr zu erwarten, haben doch z. B. Nazi-treue Mitarbeiter tatsächlich die für den Berliner Rundfunk gemachten Aufnahmen des einstigen Publikumslieblings einfach gelöscht - ein unbegreiflicher Frevel. Umso wertvoller ist das, was, vor allem auf Schallplatten, blieb: Die Kunst dieses kleinen Mann mit der nasalen Stimmgebung und der rührend schwachen tiefen Lage konnte auf diesem Medium einigermaßen umfassend repräsentiert werden. Oper und Operette findet sich auf der ersten CD. Die Höhepunkte: Eigentlich alles. Die gewaltige Intensitätssteigerung in "Von Apfelblüten einen Kranz" aus Lehárs "Land des Lächelns" mit den brillanten Spitzentönen geht ebenso unter die Haut wie die Ausflüge in die oberen Bereiche der eingestrichenen Oktave in Strauß’ Walzer "Wiener Bonbons": "Heute Nacht, da will ich glücklich sein", singt Schmidt dort mit leidenschaftlichem Feuer; 1936, als dies in Wien aufgenommen wurde, durfte er in Deutschland schon nicht mehr auftreten, war längst ein Gejagter, ohne es vielleicht selbst schon wirklich ganz begriffen zu haben. "Selig, die Verfolgung leiden" (Kienzl, "Der Evangelimann") tönt es kurz darauf aus dem Lautsprecher - aufgenommen im März 1933 in Berlin, etwa drei Wochen nach Schmidts letztem Rundfunkauftritt in Deutschland. "Glück, das mir verblieb" aus Korngolds "Toter Stadt", eine der fesselndsten Aufnahmen Schmidts, findet sich als letztes Stück auf dieser CD - diese Arie ist wohl nie schöner gesungen worden. Die zweite CD beginnt mit den Filmhits ("Ein Lied geht um die Welt", "Heut’ ist der schönste Tag in meinem Leben, "Wenn du jung bist, gehört dir die Welt" u. v. m.), an die sich noch Schlager wie Leoncavallos "Mattinata" oder Rossinis "La Danza" anschließen. 1938 starb Schmidt auf Grund einer nicht erkannten Herzerkrankung in einem Schweizer Internierungslager - ihm, dem einst auch in Zürich Bejubelten, war selbst in der Schweiz adäquate ärztliche Behandlung verweigert worden. Vertieft man sich in die Biografie, so ist die einzigartige Stimme dieses freundlichen, vertrauensseligen, bis zum Ende zuversichtlichen Mannes eigentlich kaum zu ertragen; stets vermeint man Schmidt auch im simpelsten Stück um sein Leben singen zu hören - die Wunde Joseph Schmidt ist für den sensiblen Hörer unheilbar.

Michael Wersin, 05.06.2004



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