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Maurice Ravel, Gustav Mahler, Hugo Wolf, John Ireland, Robert Schumann u.a.

Voices Of Our Time: Love Songs Round The Clock

Felicity Lott, Graham Johnson

TDK/Naxos DV-VTFL-EUR
(91 Min., 2002) 1 DVD, DVD 9, PAL, Format 16:9

Das 20. Jahrhundert erlebte den hinsichtlich der Programmgestaltung "reinen" Liederabend, zu dessen Ausgestaltung und Popularisierung Dietrich Fischer-Dieskau maßgeblich beigetragen hat. Vorher war es üblich gewesen, Rezitals etwa mit einer “altitalienischen Arie” und vielleicht ein wenig Händel zu beginnen, danach einige Lieder verschiedener Komponisten zu geben und schließlich zu einer Auswahl von Opernarien zu kommen. Nun lässt sich aber auch ein purer Liederabend auf verschiedenste Art und Weise zusammenstellen, und hier bewies neben Fischer-Dieskau und einigen engagierten Sängerkollegen auch der englische Liedbegleiter und Gerald-Moore-Zögling Graham Johnson viel Geschick: Schon in jungen Jahren trug er mit seinem Projekt "The Songmaker’s Almanac" zur Förderung noch unbekannter Nachwuchssänger auf eben jenem Wege der ansprechenden thematischen Programmgestaltung bei. Unter den solchermaßen unterstützen Nachwuchskräften jener Tage war auch die 1947 geborene Sopranistin Felicity Lott, die mittlerweile auf eine großartige Karriere zurückblicken kann. Mit Graham Johnson kam sie vor einigen Jahren zurück auf das thematische Gestaltungskonzept, diesmal vor dem Hintergrund des Wunsches, einfach einen bunten Strauß von Lieblingsliedern darzubieten; Graham Johnson gruppierte Dame Felicitys Liedliste mit sicherem Instinkt zu den 24 "Love songs round the clock", die auf der vorliegenden DVD in einer Live-Aufnahme aus dem Pariser Châtelet zu erleben sind: Englische, deutsche und französische Gesänge von Brahms, Satie, Ireland, Quilter, aber auch Cole Porter oder Gilbert & Sullivan verbinden sich zu einem zwanglos unterhaltsamen Programm, das durch zwischen den Liedern eingeblendete Interview-Ausschnitte informativ kontrapunktiert wird.
Gemeinsam sind sie mittlerweile gealtert, die langjährigen Kollegen, und das macht Felicity Lott in ihrem Metier naturgemäß ein wenig mehr zu schaffen als dem Begleiter: Ihre nach wie vor wundervolle Stimme spricht einfach nicht mehr ganz so mühelos an wie noch einige Jahre zuvor. Dies zeigt sich vor allem in der höheren Lage, wo vertraute Klangeffekte - deren Ansteuern am Spiel der Gesichtsmuskulatur beobachtet werden kann (DVDs können grausam sein!) - nicht mehr ganz so überzeugend gelingen wollen. Das nicht ganz zu überhörende Nachlassen jugendlicher Frische macht sich besonders bemerkbar in einem Lied wie Berlioz' "Villanelle", wo die großen melodischen Bögen nicht mehr so zauberhaft erblühen wollen wie in früheren Jahren. So viel zu den Problemen; dagegen steht allerdings ein Höchstmaß an professioneller Vermittlungsgenialität und gegenseitiger künstlerischer Vertrautheit der beiden Protagonisten, die dieses Konzert in jeder Sekunde eine intellektuelle Freude sein lässt, wenn auch die rein sinnlichen Reize hier und da ein wenig gedämpft sind.

Michael Wersin, 10.07.2004



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