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Ludwig van Beethoven, Franz Liszt, Franz Schubert

In Concert

Swjatoslaw Richter

Brilliant Classics/Joan Records 92229
(336 Min., 1961 - 1978) 5 CDs

2005 erinnert die Musikwelt an den kompromisslosen Gestalter Swjatoslaw Richter. An den Künstler, der Erschütterungen genauso auslöste wie zärtliche Ruhe. Richters 90. Geburtstag gilt es dann postum zu feiern. Und auch wenn termingerecht selbst die entlegensten Schall-Archiv-Ecken noch einmal durchgeforstet werden, muss der Richter-Alles-Sammler bis dahin nicht auf dem Trockenen sitzen. Mit einer gleich 5 CD-starken Box wartet mit Brillant Classics jenes Label auf, das sich neben seinen enzyklopädisch angelegten Werkausgaben auch um die russische Pianisten-Phalanx verdient gemacht hat. Nach Emil Gilels und Evgenij Kissin sind jetzt Live-Mitschnitte von Swjatoslaw Richter aufgetaucht, die zumindest nach den einzelnen Aufnahmedaten im aktuellen Richter-Katalog noch nicht verzeichnet sind. Genauere Angaben zum jeweiligen Entstehungsort und -anlass fehlen leider im Booklet - es scheinen aber russische Rundfunkmitschnitte zu sein.
Und auch wenn das Werk-Spektrum nichts Neues bietet, und somit nur eine Flanke des klassischen Richter-Kosmos exemplarisch mit Beethoven, Schubert und Liszt abgedeckt wird, so ist die hiervon ausgehende Sogkraft - wie zu erwarten - nichts für schwache Nerven. Richters ernste Massivität, seine sehnsuchtsvolle Kantabilität, die bis tief ins Innere reichenden Pulsschläge - das lässt sich alles in gleich vier Schubert-Sonaten erleben. Von der dreisätzigen E-moll-Sonate D. 566 bis zu den großen Sonaten D 958 u. 960. Und während Richter im Oktober 1965 die skurrile Dämonie in Liszts H-moll-Sonate nicht als Bravour-Akt exekutiert, sondern als romantischen Ausdruckswert versteht, begegnet man offiziell und umfangreich zunächst den hochgespannten Beethoven-Bögen Richters (opp. 2/3, 7, 31). Und über den Metaphysiker Beethoven (opp. 101, 109 - 111) gelangt man in jene erdenferne Atmosphäre, in die sich Richter immer dann bewegte, wenn er Bach spielte.

Guido Fischer, 28.08.2004



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