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Johann Sebastian Bach

The Complete 1950s Bach Recordings On Archiv

Ralph Kirkpatrick, Aurèle Nicolet, Rudolf Baumgartner, Festival Strings Lucerne

DG/Universal 477 013-2
(597 Min., 1956 - 1960) 8 CDs

Er war ein Pfeiler in der von Deutschen Grammophon initiierten "Archiv-"Reihe, dieser legendären und glücklicherweise weiterhin ergänzten Alten Musik-Enzyklopädie. Und wie kein zweiter Cembalist hat Ralph Kirkpatrick (trotz Karl Richter und Helmut Walcha) hierbei den Bach-Ton dominiert. Obwohl Schüler von Wanda Landowska, fand Kirkpatrick in den frühen fünfziger Jahren schnell sein eigenes Profil, wobei sein Cembalo-Spiel und -Denken vielleicht nur in Gustav Leonhardt einen entsprechenden Nachfolger gefunden hat. Denn Kirkpatrick war ein Rhetoriker und Akademiker, wie er im Buche steht.
Mit unerschütterlicher Hand ignorierte er jeglichen Affektcharakter in den Sätzen der Partiten und Suiten. Seine eng gesteckten Verzierungen ließen zudem wenig Phantasie spüren und schon gar keine schwungvolle Vitalität aufkommen. Kirkpatricks protestantische Ernsthaftigkeit wird dabei verstärkt durch ein modernes Instrumentarium, an dem er seinen typischen Sound entwickeln bzw. feststecken konnte. Wie spitze Nadeln fahren die Plektren in die oftmals arg dünnatmig wirkenden Saiten hinein, fehlt selbst den Lautenzügen jene notwendige Wärme und jener galanter Charme, um die musikalischen Verläufe aus der klassizistisch-mathematischen Strenge zu befreien. Somit besitzt denn auch das CD-Konvolut mit Kirkpatricks sämtlichen Bach-Aufnahmen, die im Rahmen der jüngst aufgelegten "Original Masters"-Serie erschienen ist, eher historischen Dokumentationswert.

Guido Fischer, 20.11.2004



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