Responsive image
Diogo Dias Melgás, João Lourenço Rebelo

A Golden Age Of Portuguese Music

The Sixteen, Harry Christophers

Coro/Codaex COR16020
(67 Min., 2/1996) 1 CD

Hinsichtlich seines musikalischen Erbes aus Renaissance und Barock steht Portugal nicht gerade im Mittelpunkt des Interesses: Italien, Deutschland oder England rangieren in der Gunst der Interpreten deutlich weiter vorn. Dass sich ein Ausflug auf dieses noch nicht sehr bekannte Terrain lohnt, beweisen Harry Christophers und sein Ensemble "The Sixteen" mit dieser bereits 1996 entstandenen Aufnahme. Diogo Dias Melgás (1638-1700) und João Lourenço Rebelo (1610-1661) heißen die hier mittels einer Auswahl aus ihrem geistlichen Vokalwerk porträtierten Komponisten; ihre Lebensdaten weisen sie als Komponisten des Barockzeitalters aus, ihre Musik präsentiert sich als interessantes Amalgam aus der seinerzeit neuen, von Italien aus ins europäische Musikleben eingebrachten konzertanten Praxis und der alten Setzweise der Renaissance. Melgás’ Lamentationen für den Karfreitag etwa sind hinsichtlich ihrer Satzstruktur einerseits noch dem polyphonen Ideal verpflichtet, aber die Differenziertheit der horizontalen melodischen Verläufe ordnet sich immer wieder der Vorherrschaft der generalbassgestützten harmonischen Ebene unter; die achtstimmige Anlage führt außerdem zur ebenfalls vorwiegend klangorientierten Gegenüberstellung zweier Ensemblehälften. Eher ernsten Charakters ist auch Rebelos Magnificat à 13, dessen gemäßigt konzertanter Charakter nicht durch obligate Instrumentalstimmen (die hier eingesetzten Bläser spielen, wie damals üblich, einige der Vokalpartien), sondern durch figurative Ausarbeitung der einzelnen Stimmen des polyphonen Geflechts zustande kommt. Durch diese Anlage sowie durch das althergebrachte versweise Alternieren mit einstimmiger Psalmodie ergibt sich trotz aufgelockerter Schreibweise eine Strenge, die dieses Magnificat von den zeitgenössischen ausgelassen-sinnenfreudigen Psalmvertonungen eines Monteverdi oder Rovetta maßgeblich unterscheidet.
Christophers und seine Sänger begeistern durch eine dichte, gleichermaßen an Klangentfaltung wie an struktureller Klarheit orientierte Interpretation; es sind erstklassige englische Vokalisten wie Rebecca Outram, Sally Dunkley oder Simon Birchall, die mit ihrer reichhaltigen Ensembleerfahrung - sie tauchen unter vielen Dirigenten immer wieder in unterschiedlichsten Formationen auf - für jenes Spitzenniveau sorgen, das den Glanz der Alten Vokalmusik heutzutage wieder optimal zur Geltung bringen kann.

Michael Wersin, 26.02.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zugegeben: Letzte Woche haben wir mit unserer CD-Empfehlung ganz schöne Hör-Kalorien aufgetischt. Dagegen wirkt das a-capella-Album deutscher Adventslieder von Schwesternhochfünf wie ein Spaziergang im Winterwald: klar, kühl, konzentriert. Die Stimmen beginnen im Einklang wie ein Schwesternkonvent der Hildegard-von-Bingen-Zeit, doch schon, wenn beim Arrangement von „Maria durch ein Dornwald ging“ hörbar ein Geflecht aus Sekunden und Reibungen zu flirren beginnt, zeigt das Album, was in […] mehr »


Top