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Julian Bream

My Life In Music

Julian Bream, John Williams, George Malcolm, The Julian Bream Consort

Avie/Musikwelt 2109
(195 Min., 2003) 3 DVDs

2002 nahm Julian Bream endgültig Abschied von der Konzertbühne. Nach 55 Jahren, in denen er nicht nur die klassische Gitarre endgültig ins Scheinwerferlicht gerückt hatte. Bream spornte Komponisten wie Benjamin Britten und Hans Werner Henze zu Kompositionen an, richtete als Lautenist mit seinem Consort oder mit Tenor Peter Pears an der Seite den Blick auf die elisabethanische Klangwunderwelt der Dowlands und Morleys. Nach über einem halben Jahrhundert zog sich Bream also nun Anfang des dritten Jahrhunderts offiziell zurück, "sollen jetzt andere das Ruder übernehmen". Mit diesen Worten Breams beginnt denn auch das Porträt "My Life in Music", das ihm 2003 der Regisseur Paul Balmer widmete. Wer aber schon da zweifelte, ob jemals ein würdiger Nachfolger gefunden werden wird, der fühlt sich nach zwei Stunden nur bestätigt. Denn Bream war nicht nur auf seinem Instrument eine Instanz. Der Engländer ist bis heute einer der wohl sympathischsten und einnehmendsten Jahrhundertmusiker geblieben. Wie er allein auf seinem Landsitz und mit einem gehörigen Schuss britischen Humors in den Erinnerungen kramt und dabei auf Geschichten stößt, die ihm nun äußerst peinlich sind, hat so gar nichts von Starallüren. Doch glücklicherweise sind selbst die genauso bestens dokumentiert – dank Paul Balmers unermüdlichen Recherchen in den Fernseharchiven. So erlebt man Bream 1963, wie er beim heißersehnten Treffen mit Igor Strawinsky den Komponisten mit seiner Laute auf die Pelle rückt (was Bream rückblickend als aufdringliches Fangehabe empfindet). Und wenn Bream zwischen den Welttourneen in seinen Lieblingspub einkehrte, wurde nach einigen Pints die Gitarre ausgepackt und eine Swingsession anberaumt. Denn abseits von Bach bis William Walton kehrte Bream immer wieder zu den musikalischen Wurzeln zurück, die ihn zur Gitarre gebracht hatten: der Gypsy-Swing von Django Reinhardt. Aber auch sonst zeichnete sich Bream durch eine musikalische Geselligkeit aus, die er mal mit seinem Kollegen John Williams und dem britischen Cembalo-Urgestein George Malcolms auslebte. Oder er schnupperte gar – wie auch Yehudi Menuhin – mit Ali Akbar Khan in die indischen Trancewelten hinein. Aber für solche wie selbstverständlich ablaufenden Sternstunden hatte der Vollblutmusiker Bream schon immer jenes entsprechende Ohr, das es eben kein zweites Mal geben wird. Schade nur, dass dieses ansonsten tadellos produzierte, filmische Ehrendenkmal bei den umfangreichen Bonustracks bisweilen unter technischen Aussetzern zu leiden hat.

Guido Fischer, 05.05.2007



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