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César Franck, Robert Schumann, Viktor Kalabis

Werke für Klavier

Gerhard Vielhaber

Classic clips 103
(70 Min., 8/2004, 8/2005) 1 CD

Zu berichten ist von einer Ersteinspielung. Akcenty heißt, seinem Titel zur Ehre gereichend, das musikalische Oktagon des 1923 geborenen Komponisten Viktor Kalabis: acht Miniaturen, keine länger als vier Minuten, und jede für sich eine Studie von prägnantem Zuschnitt und konziser Form. Kein Meisterwerk, das gewiss nicht, aber für das Konzertprogramm eines Pianisten bietet es die günstige Gelegenheit, seine Fingerfertigkeit, die dynamische Spannweite sowie das Gespür für Anschlagsnuancen und kompositorische Prozesse innerhalb kürzerer Strecken darzubieten. Der junge Pianist Gerhard Vielhaber, einer aus dem Stall des Pädagogenpapstes in deutschen Landen, Karl-Heinz Kämmerling, nutzt die Chance und liefert eine staubfreie, lupenreine und technisch perfekte Interpretation. Ins Tiefe kann diese allerdings nicht vordringen, dafür ist die Textur der Stücke zu durchschaubar, zu schematisch letztlich. Auch wird man nicht wirklich schlau aus dieser Auswahl, sind die etüdenhaft anmutenden Piècen gerahmt von zwei (dreiteiligen) Meisterwerken der mittleren und der späten Romantik. Hier Robert Schumanns C-Dur-Fantasie, dort César Francks Prélude, Choral et Fuge. Mag die klangliche Vielschichtigkeit nebst einer gestalterischen Souveränität in letzterem Fall den Hörer noch betören, so wird man aus der Vielhaber’schen Deutung der Fantasie nicht so recht schlau. Schon der Eingangssatz gerät unter seinen Händen zu statisch, zu behäbig, so dass von Schumanns ernst gemeinter Vorschrift ("Durchaus fantastisch und leidenschaftlich vorzutragen") wenig zu spüren ist. Man kommt nicht um den Eindruck herum, hier stehe jemand unter dem Druck, seine Interpretation rechtfertigen zu müssen vor den Sittenwächtern der klassischen Moderne. Will sagen: Dort, wo Schumann die Freiheit (als Prinzip, als realen Zustand) in ausgelassener Klangrede und mit vitalisierender Verve geradezu heraufbeschwört, sieht sich Vielhaber zur Sicherheit verleitet (oder angeleitet?), zu einer Art Selbstkontrolle. Leidenschaft und Fantasie sind kontrolliert, aber kaum denkbar, sie können, eingezwängt in ein Korsett, nicht atmen. Zumal dann nicht, wenn das gesamte Klangbild so pastos ist und der Fluss der Dinge so stockend wie bei Vielhaber. Auch wenn man es nicht gern sagt: In der Folge ändert sich daran nur wenig. Des Pianisten "Legato", zwingendes kantables Mittel für die Sätze (oder auch: Abschnitte) zwei und drei, ist kaum geschmeidig zu nennen, eher hölzern. Die agogischen Mittel scheinen beschränkt, ebenso die zur dynamischen Abschattierung unterhalb des Mezzofortebereichs. Mit einem Wort: Die romantische Weltsicht eines Schumann scheint nicht heimisches Gebiet des Pianisten zu sein. Oder er getraut es sich nicht, sie zu offenbaren – was letztlich keinen bedeutenden Unterschied macht. Was nun tun? Vielleicht mal in die Aufnahmen von Argerich, Richter und Kissin hineinhören (um drei unterschiedliche Temperamente zu zitieren)? Sich auf der Stelle unsterblich verlieben? Am besten ist wohl beides.

Jürgen Otten, 31.08.2007



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