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Franz Liszt u.a.

Tribute To Horowitz

Denis Matsuev

RCA Red Seal/Sony BMG 82876 61273-2
(44 Min., 10/2003) 1 CD

Geboren 1975 in Irkutsk, ausgebildet in Moskau, 1998 ebendort Tschaikowsky-Wettbewerb gewonnen. Absolvierte bereits eine Welttournee mit 110 Konzerten, spielte in Budapest alle drei Tschaikowsky-Konzerte an einem Abend, ist klaviertechnisch über jeden Zweifel erhaben. Magere Rahmen-Daten einer noch jungen Pianisten-Karriere, deren Verlauf noch ganz offen ist: Wird sich Denis Matsuev einen Ruf als solider, intelligenter Interpret erkämpfen, oder wird er der Versuchung erliegen, vor allem über die publikumswirksame Schiene der stupenden Fingerfertigkeit zu breiter Popularität zu gelangen? Erhoffen wir ersteres: Mit etwas gutem Willen kann man seine vorliegende Debüt-CD als Liszt-Rezital zuzüglich zweier spektakulärer Zugaben aus dem Zauberreich der Klaviertranskription betrachten. Bei Liszt, soviel ist sicher, missbraucht Matsuev seine virtuosen Künste nicht, sondern setzt sie gewinnbringend ein innerhalb eines stimmigen, durchdachten Gesamtkonzepts, welches besonders die aufwühlende Sonata "Après une lecture de Dante" zum hohen Kunstgenuss macht. Differenzierteste Anschlagskultur, atemberaubende Pianissimi, hohe Transparenz des komplexen Satzes bestimmen hier das Bild. Nicht anders verhält es sich beim Mephistowalzer Nr. 1: Überzeugend arbeitet Matsuev gerade im Kontrast zwischen schwindelerregender Virtuosität und täuschender Ruhe in den verhaltenen Passagen die unwiderstehlich dämonische Zugkraft dieses zu besinnungsloser Raserei verführenden Tanzes in der Dorfschenke heraus, bei dem der Widersacher persönlich die Geige spielt. Die Ungarische Rhapsodie Nr. 2 schließlich krönt Matsuev augenzwinkernd mit einer provozierend Genre-fremden Kadenz im Jazz-Piano-Stil. Warum nach einem so anspruchsvollen, schweißtreibenden Programm nicht auch eine weitere Version von Horowitz' berühmten Carmen-Variationen sowie Ginzburgs "Barbiere di Siviglia"-Fantasie genießen? Wenn Matsuev ansonsten eine seriöse Programmgestaltung pflegt und seinen ernsthaften interpretatorischen Ansatz weiter ausbaut, dann wird sich ihm der Weg zu einer großen Karriere öffnen.

Michael Wersin, 11.06.2005



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