Jean-Baptiste Lully, Philidor l´Aisne, Marin Marais u.a.

Les grandes eaux musicales de Versailles

Le Concert des Nations, Jordi Savall


Alia Vox/harmonia mundi 9842
(78 Min., 1998 - 2004) 1 CD

Die "Galerie d´eau", die "Quellen", die Brunnenplastiken "L´Encelade" und "Neptune" sowie das "Théâtre d´eau" - diese Wasserspielereien schlucken nicht nur heute im Schlosspark von Versailles reichlich. Schon unter der Regentschaft von Ludwig XIV. liefen die Pumpen unter Hochdruck, um dem täglichen Bedarf von zunächst 13.000 Kubikmetern nachzukommen. Und weil der König sich auch bei diesem "flüssigen Kristall" als Nimmersatt zeigte, initiierte er solche Mega-Bau-Projekte wie die berühmte "Maschine von Marly", mit der die Seine abgeschöpft werden konnte. Sind diesen prächtigen Wasser-Choreographien "Grand Eaux" allein schon ein Sinnenschmaus, ließ sich aber der Effekt noch steigern, wenn ein Jean-Baptiste Lully die nötige Open-Air-Beschallung lieferte: dann schossen bei diesen musikalischen Wasserspielen die Klang-Fontänen genauso imposant in die Höhe.
Die jetzt von Jordi Savall und Le Concert des Nations ausgewählten Werke aus der Versailles-Blütezeit wurden zwar allesamt nicht für die Freiluftveranstaltungen komponiert, die Tänze, Märsche und Concerts standen vielmehr in den letzten Jahren auf dem Programm der Konzertreihe "Les Grandes Eaux Musicales de Versailles". Das von Lully über die Gambenmeister Saint Colombe und Marin Marais bis zu François Couperin reichende Repertoire bietet aber die exemplarische Chance, in die inszenierte Gesamtkunst-Gloire und kammermusikalische Würde jener Zeit einzutauchen. Mit fesselnder Ausdrucksintensität tauschen da zwei Gamben ihre Gedanken aus, stolzieren Pauken und Trompeten in den Instrumentalstücken aus Lully "Alceste" hinaus, werden liebreizende Melodien angestimmt. Und wie federnd leicht und kunstvoll zugleich man schon bei Ludwig XIII. die Tanzschritte beherrschte, unterstreichen ausgewählte Pièces von Philidor l´Aisne. Auf nach Versailles!

Guido Fischer, 22.10.2005


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.



« zurück

CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der
RONDO-Redaktion

Die Trompete, seit alters her das Insignum herrscherlicher Macht, darf am Ostertag nicht fehlen, wenn es gilt, die Auferstehung und den Triumph Christi über den Tod zu feiern. Der böhmische Violinist Heinrich Ignaz Franz Biber machte, nachdem er seinem ersten Dienstherren, dem Bischof von Olmütz ausgebüchst war, eine glänzende Karriere am Hof des Salzburger Erzbischofs Max Gandolf von Kuenburg. Die Salzburger Erzbischöfe verstanden seit jeher sehr gut, die prachtvolle Lobpreisung der Majestät Christi zugleich etwas unscharf auf die eigene Selbstdarstellung abzuzweigen. Aus dem Jahr 1674 stammt Bibers 22-stimmige Missa "Christi resurgentis" zur Feier des Osterfestes, die diesem Auftrag bestens gehorcht. Andrew Manze und The English Concert ergänzen auf dieser Aufnahme von 2005 die lichtdurchflutete Messkomposition mit schwungvollen Kammersonaten Bibers aus der Sammlung "Fidicinium Sacro-profanum". Wir wünschen Frohe Ostern!