Frühe Aufnahmen von Fritz Wunderlich, entstanden in der zweiten Hälfte der 50er Jahre ursprünglich exklusiv für die Mitglieder des Europäischen Phonoklubs Stuttgart und später - zu Wunderlichs Leidwesen - auch im freien Handel erhältlich: Es wäre unfair gegenüber dem zeitlebens nach Vervollkommnung strebenden Wunderlich, wollte man behaupten, er wäre hier (als 27-Jähriger!) schon auf der vollen Höhe seines Könnens gewesen. In Verdis "O wie so trügerisch" etwa präsentiert er sich bei weitem noch nicht so höhensicher wie einige Jahre später, und auch Mozarts Bildnisarie gerät ihm hier freilich nicht so unvergleichlich brillant wie in der Böhm-Gesamtaufnahme der "Zauberflöte". Und dennoch: Es fasziniert bereits in diesen Tondokumenten Wunderlichs einzigartiges Timbre, und gerade die Jugendfrische seines Gesangs begeistert den Hörer, vor allem wenn sie mit der Befindlichkeit der sängerisch porträtierten Figur untrennbar zu verschmelzen scheint: In Puccinis "Wie eiskalt ist dies Händchen" etwa verströmt er einen zauberhaften Charme. Beglückend durch ebenso unprätentiöse wie geniale Einfachheit der zutiefst ehrlichen Interpretation auch Schnulzen wie Clewings "Alle Tage ist kein Sonntag", wenn man dieses Repertoire mag (Wer außer Wunderlich könnte solche Stücke erträglich darbieten?). Das hier veröffentlichte Repertoire erscheint übrigens nicht zum ersten Mal auf CD, sondern war und ist bereits in verschiedenen Versionen auf dem Markt. Eine Rarität ist allerdings der angefügte (aufnahmetechnisch schlechtere) Bonustrack aus dem Jahre 1956 mit Mascagnis "Schäumt der süße Wein im Becher".

Michael Wersin, 05.11.2005



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