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Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 3

Birgit Remmert, Schweizer Kammerchor, Zürcher Sängerknaben, Tonhalle-Orchester Zürich, David Zinman

RCA/Sony BMG 88697 12918-2
(100 Min., 2/2007) 2 CDs, SACD

Es scheint bequem und ist doch (auch) ein Stoßseufzer: Man kann über David Zinmans dritte Mahlereinspielung wiederum – wie bei den beiden Erstlingen – "nur" Zwiespältiges vermelden. Wobei das Positive nun doch überwiegt. Schon dort musste man staunen über die stupende, brillant-homogene Klangkultur des Tonhalle-Orchesters. Gleichwohl reicht gerade im gigantischen ersten Satz von Mahlers kosmologischer Dritter die orchestrale Züricher Extraklasse nicht aus, um ein aufrüttelndes Mahlererlebnis zu bescheren. Dem von Zinman auf fast 35 Minuten gedehnten Klangkosmos, der das Triebhaft-Urwüchsige, das dem Chaos entsteigt und sich mit weit gehend martialischen Mitteln zur "Natur" formiert, zum Klingen bringen will, hätte man mehr Courage, d. h. weniger "Kultiviertheit" gewünscht: Geigenglissandi, Forteschläge und derbe Marschrhythmen, die ihren Namen auch verdienen. In Zinmans hyperpräziser Notenfixierung fällt jede "Chaos"-Assoziation schwer, ja man wähnt sich über weite Strecken in einer akkurat aufgeräumten Schweizer Bürgerstube, so blitzblank wird hier jedes Motiv, und seien es auch die schrill-verfremdeten, präsentiert. (Dies gilt auch für die sehr ordentlich, allzu "schön" aufsingenden Buben im "lustigen" fünften Satz.) Auch in dieser zweiten Abteilung, den Sätzen zwei bis sechs, schlägt Zinman bedächtige Tempi an. Aber hier, beim alpenländischen Blumen- und Tieridyll, bei den geheimnisvollen Bergvisionen und erst recht bei der wunderbar meditativ-hymnisch ausmusizierten Schlussapotheose der "Liebe Gottes", verzaubert die Züricher Finesse dann doch. Zumal hinter Zinmans Bedächtigkeit ein Höchstmaß an Achtsamkeit für dynamische Stimmbalancen hörbar wird, das der Riesenpartitur nur selten zuteilwird. Nicht zuletzt überzeugt der warme und "große" Alt Birgit Remmerts, die um die "Tiefen" von Nietzsches Mitternachtslied weiß, ohne in falsches Pathos abzugleiten.

Christoph Braun, 18.01.2008



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