Responsive image
Diverse

Passion Callas

Maria Callas u.a.

EMI 338 469 9
(113 Min., 1997) PAL, Format 4:3

Dieses 1997 entstandene Callas-Porträt zeichnet die Biografie der Sängerin anhand von Ausschnitten aus Interviews und Musikaufzeichnungen nach. In den Interviews kommen sowohl Maria Callas selbst als auch zahlreiche Wegbegleiter und Zeitzeugen zu Wort, darunter Callas’ Gesangslehrerin Elvira de Hidalgo, die Produzenten Michel Glotz und Peter Andry, die Dirigenten Georges Prêtre und James Conlon. Eine Annäherung an das Phänomen Callas gelingt so gut oder so schlecht, wie das auf diese Weise eben möglich ist: Erinnerungen, auch oder gerade besonders eindrückliche, können trügen, selektiv sein oder sich über größere Zeiträume hinweg verklären.
Erahnbar wird vor allem zwischen den Zeilen der gewaltige Leistungs- und Leidensdruck, dem Maria Callas ausgesetzt war und dem sie sich selbst aussetzte; erahnbar wird ihr Martyrium in den letzten Lebensjahren, als ihre Stimme mehr und mehr den Gehorsam verweigerte (hier blieben allerdings wichtige Aspekte ausgespart, so etwa Aristoteles Onassis’ Beitrag zum seelischen Ruin der Sängerin). Erfahrbar wird jene Dualität von Faszinosum und Skandalon, die Maria Callas’ Gesang immer, auch in ihrer besten Zeit, prägte: Ihre Stimme funktionierte nur durch äußerste Disziplin und Willensanstrengung, sie war ein widerspenstiges Instrument. Manchmal versagte es auf klägliche Weise, man erlebt Anstrengung, Mühe mit den Registerbrüchen oder zu hohe Intonation in einem Maße, wie es selbst bei einer Aufnahmeprüfung an einer Hochschule garantiert zum Misserfolg führen würde. Dann wieder fügen sich die disparaten Elemente zu einem überwältigend intensiven, erschütternden Ganzen. Immer jedoch steht hinter solchen Leistungen ein Kampf gegen die Materie, gegen die Vergänglichkeit und Unvollkommenheit ihres Zusammenhaltes, wie ihn nur wenige Menschen auszufechten in der Lage sind: Dies begeistert uns an der Callas, und man muss es empfinden, kann es nicht erklärt bekommen, weder in diesem noch in anderen Filmporträts.

Michael Wersin, 23.12.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top