Aristokratische Würde und geistvolle Tiefe - damit trumpften die Laute und die Viola da gamba gerade an den französischen Höfen auf. Dass aber weder die Marin Marais' noch ein Lauten--Edelmann wie Jacques de Gallot die Lust noch den Mut besaßen, diese beiden Instrumente in einen Dialog treten zu lassen, ist zwar eine kaum entschuldbare Unterlassungssünde. Doch immerhin machen wenigstens ausgewiesene Solisten aus der Not eine Tugend. So steckten erst im vergangenen Jahr die Gambistin Hille Perl und Lee Santana an der Theorbe ihre Köpfe zusammen, um entlang von Marais für eine überragende Gemütsaufhellung zu sorgen. Ein ähnliches Kunststück gelingt auch zwei italienischen Spezialisten für die historische Aufführungspraxis: Luca Pianca (Laute) und Vittorio Ghielmi (Viola da gamba). Im Gegensatz zu den Kollegen widmen sich Pianca / Ghielmi nahezu ausschließlich der langsam verblassenden Ära ihrer Instrumente. Gehörte der Niederländer Johannes Schenck noch zu den wegweisenden Könnern an der Viola da gamba, musste sie im aufziehenden 18. Jahrhundert dem Siegeszug des Violoncello Platz machen. Mit kleinen Kabinett-Sonaten und -Stückchen sorgten da besonders im deutschsprachigen Einzugsbereich Komponisten wie Carl Friedrich Abel und Andreas Lidl für ein letztes Aufbäumen der Gambe, kam sie wie die Laute noch einmal dank berühmter Opern-Transkriptionen zu Ehren. In diese stimmungsvollen Welten aus Arien von Mozart ("In diesen heil´gen Hallen"), Händel ("Credete al mio Dolore") und Gluck ("Che faro' senza Euridice") entführen nun Pianca/Ghielmi mit aller partnerschaftlichen Könnerschaft und auch mal solistisch. Stets aber ist es diese Mischung aus Feingeistigem und berückender Ausdrucksintensität, aus verführerisch Sinnlichem und stolz ausgestellter Virtuosität, die über jeden deutschen "Sturm und Drang" erhaben ist. Und aus scheinbar beiläufig notierter Gebrauchsmusik wird einfach große Musik.

Guido Fischer, 04.02.2006



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