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Diverse

Arturo Toscanini - The Television Concerts 1948 - 52 Vol. 1 - 5

Diverse Solisten, NBC Symphony Orchestra, Arturo Toscanini

Testament/Note 1 SBDVD 1003 - 1007
(598 Min., 1948 - 1952) 5 DVDs

"Sie sind ein Wrack. Was ist mit ihrer schönen Stimme passiert?" Da war er wieder. Der strenge Zuchtmeister Arturo Toscanini, der er bis ins hohe Alter blieb. 1949 soll der 82-Jährige sich den Bariton Giuseppe Valdengo mit diesen Worten vorgeknöpft haben, als der sich im Vorfeld für die geplante Fernsehübertragung von Verdis "Aida" nicht gerade als stimmliche Leuchte vorstellte. Und nachdem Valdengo zu Sonderproben verdonnert worden war, stand er dann als Amonasro wie ausgewechselt auf dem Podium des New Yorker Fernsehstudios 8H. Einerseits hätte man Toscanini gerne auch mal in voller Aktion gesehen, wenn er in Fahrt gerät (eine Ahnung davon vermittelt immerhin ein auf CD veröffentlichter Mitschnitt einer Generalprobe von "La traviata"). Doch es ist schon ein Ereignis, den Maestro überhaupt einmal mit seinem kahlen Schädel und seinen seismografisch jede Nuance widerspiegelnden Augen zu erleben. Gleich auf fünf DVDs sind die Fernsehaufzeichnungen zusammengestellt, die ihn bei der Arbeit und in voller Blüte präsentieren. Von 1948 bis zu seinem letzten Auftritt vor laufender Kamera am 22. März 1952 in der Carnegie Hall zeigen die Schwarz-Weiß-Bilder eine Legende, die das ganze romantisch-gefühlige Interpretationsunkraut herausriss, das sich bis dahin um die Partituren von Mozart bis Beethoven geschlungen hatte. Und der gerade mit seinem NBC Symphony Orchestra, das die New Yorker Rundfunkgesellschaft für ihn 1937 gründete, für detaillierten Feinschliff, rhythmische Präzision und ungeheure Vitalität bei Wagner und selbst beim Doppelkonzert von Brahms sorgte.
Die auf die DVDs verteilten, in ihrer Tonqualität vorbildlich aufgefrischten Hörbilder warten aber nicht nur mit Toscanini-Klassikern wie Beethovens 5. und 9. Sinfonie, Sibelius' "En Saga" oder eben der gesamten "Aida" auf. Selbst die oftmals auch für die Schallplatte dirigierten Werke wie Webers "Euryanthe"-Ouvertüre widersprechen nun dem Klischee, Toscanini hätte dank seiner Notentreue stets nur ein Konzept verfolgt. Von solchen Überraschungen, was die musikgestalterische Elastizität und Beweglichkeit angeht, sind diese Dokumente überreich. Und wenn Toscanini allein Mozarts große g-Moll-Sinfonie mit abgespeckter Streicherbesetzung transparent und schlank spielen lässt, weiß man, wer der eigentliche Urvater der Alte-Musik-Bewegung ist. Umso weniger passt es jedoch ins Bild, wenn Toscanini bei César Francks sinfonischem Zwischenspiel von "Rédemption" in einer verschwommenen Nahaufnahme gezeigt wird und damit etwas Mystisch-Heiliges bekommt. Aber wahrscheinlich waren da die Kameralinsen nur nicht geputzt.

Guido Fischer, 25.03.2006



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