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Giulio Caccini, Arcangelo Corelli, Carlo Farina u.a.

Teatro Lirico - Sonaten und Tänze

Stephen Stubbs, Miloš Valent, Maxine Eilander, Erin Headley

ECM/Universal 476 3101
(74 Min., 2/2004) 1 CD

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, seinen ramponierten Seelenhaushalt vielleicht wieder ins Gleichgewicht zu tanzen. Beim Tango behält man Haltung, beim Flamenco muss es klackern und knallen. Und bei der portugiesischen Folia gerieten die Tänzer dermaßen außer Rand und Band, dass dem Zuschauer angst und bange wurde. Doch die therapeutische Wirkung schien vor fünf Jahrhunderten allzu oft nachgelassen zu haben, als man über die Ostinato-Bass-Figur choreographisch und musikalisch improvisierte. Folgt man jetzt der Zusammenstellung von "Folia"-Kompositionen aus dem 17. Jahrhundert, so waren die melancholischen Geister offenbar auch dort einfach nicht zu vertreiben. Da wankte man plötzlich wieder in eine Lamento-Stimmung hinein (Giulio Caccinis "Amarilli, mia bella"), setzte man in "Adaggio" von Maurizio Cazzati zum schwer wiegenden Rhythmus vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Die vom Lautenisten Stephen Stubbs getroffene Auswahl von "Folia"-Fantasien, die in der Hochblütezeit des italienischen und slowakischen (!) Barocks entstanden, wirft somit tatsächlich noch ein neues Licht auf die Geschichte und Verbreitung dieses Edelgassenhausers.
Mit seinem Ensemble "Teatro Lirico" setzt Stubbs die 2004 begonnene Einspielungsreihe von Alte-Musik-Formationen fort, die sich ganz den Reizen der Folia verschrieben haben. Hatte zunächst das Ensemble L'Arpeggiata die Jazzausmaße der Folia vernommen, folgte im letzten Jahr Jordi Savalls Rundum-Enzyklopädie. Aber das allein beim Repertoire eben noch kein Ende in Sicht ist, zeigt das Programm von Stubbs, das selbst mit einer Suite aus einem slowakischen Manuskript von 1676 aufwartet. Und in der es sogar ein kleines Ballettschmankerl namens "Appetitus Kalbfleisch" gibt. Bei Stubbs und seinen drei Musikern liegt einem so ein Zwischengang natürlich genauso wenig schwer im Magen, wie er vorrangig eben auch nicht aufs Gemüt schlägt. Vielmehr ist es ein geheimnisvoller Zauber, der in aller Ruhe und mit allem Feinsinn ausgebreitet wird - auf dass die schwarze Galle sich endlich verflüssigen möge.

Guido Fischer, 08.04.2006



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